SAVAK سازمان اطلاعات و امنیت کشور – Irans Geheimdienst unter dem Shah (3)

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2. Teil

Der weltpolitische Rahmen der 1960iger Jahre

Der SAVAK wurde etabliert, als die kommunistische Tudeh Partei als politische Kraft verschwand. Gegen Ende der 1950iger Jahre erreichte die kommunistische Bewegung in Iran ihren Tiefpunkt. Die 1960iger Jahre entfachten die Hoffnung der Linken, als ein Zusammenschluss mit den Nationalisten für eine Zeitlang erzielt wurde. Kennedys Präsidentschaft in den USA weckte Mossadeqs alte Gefolgschaft, während Fidel Castros Sieg in Cuba, von Che Guevara romantisiert, die iranische Jugend inspirierte. Das Ergebnis war eine zweite Nationale Front, aber sie verlor mehr und mehr an Kraft. 1962, in der Schweinebucht, Kennedys Konfrontation mit Khrushchev in Wien und die kubanische Krise, sie hatten den Enthusiasmus der US-Administration auf eine sog. neue Demokratie gedämpft. Die Weiße Revolution des Shahs im Jahr 1963 und Khomeinis Fähigkeit, effektiv Krieg in die Straßen Irans zu bringen, brachte die zweite Nationale Front als aktive politische Kraft in Iran fast an ihr Ende – aber nicht im Ausland.

Die politischen Bewegungen in den USA und Europa wurden zunächst wegen Frankreichs Erfahrungen in Indochina und Algerien und anschließend wegen der amerikanischen Aktivitäten in Vietnam geladen und gestärkt und beeindruckten mehr als 60.000 iranische Studenten in Europa und den USA. Der wirtschaftliche Aufschwung in Iran hatte jetzt signifikant die sozialen Verhältnisse der iranischen Studenten verändert. Viele kamen nicht mehr nur aus der Oberschicht, sondern nun auch von ärmeren Familien der kleinen Städte und Dörfer und fanden sich nun mit den Stipendien des Shahs und dem Geld einer aufstrebenden Mittelschicht in fremden großen Metropolen im Ausland. Das Aufeinanderprallen von Kulturen, in Kombination mit Heimweh und Einsamkeit, machten sie für utopische Ideologien leicht anfällig. Der harte Marxismus wich romantischen Träumen die von lateinamerikanischen Helden und nordamerikanischen und europäischen Studentenbewegungen erregt wurden. Stalin und Khrushchev unterstützten Castro und Mao. Khalg in Iran wurde zu einem imaginären Objekt geformt um in diesen Traum zu passen. Es war eine Welt in der viele junge Iraner glaubten handeln zu müssen. Jang-e mosallalanehs bewaffneter Kampf war für einige der Weg in Iran. Die Menschen waren in vielen Ländern bereit, es fehlte nur noch ein Funke als Initialzündung. Überall verbreitete die Jugend den Funken – in den USA, Deutschland, Italien, Japan und natürlich auch in Frankreich, wo Studenten das System 1968 fast zum Einsturz brachten. Im selben Jahr wurde US-Präsident Johnson gezwungen auf eine zweite Amtsperiode zu verzichten. 1968 wurde die Studentenvereinigung iranischer Studenten zur Speerspitze linker Romantik, ideologisch und materiell vom unterstützenden Umfeld verschiedener Gruppen in Berkley, Cambridge, München, Bonn, London und Paris genährt, mit Verbindungen zu terroristischen Gruppierungen einschließlich der RAF und ihren Führern. Parviz Nikkhah ein iranischer Student mit großen politischen Ambitionen wurde wegen des Versuchs angeklagt, den Shah ermorden zu lassen.

Die studentischen Führer – Parviz Nikkhah

Parviz Nikkhah

Parviz Nikkhah

Parviz Nikkhah war ein charismatischer junger Mann gewesen, dazu bestimmt, ein Führer iranischer Studenten in Europa zu werden. Er war durchaus informiert, rational und als politischer Führer sicher auch effektiv. Er war der intellektuelle Star der Sudentenvereinigung iranischer Studenten auf seinem zweiten Kongress in London im Januar 1961 und auch im Folgejahr in Paris. Er wurde zum Führer der neuen revolutionären Tudeh Partei, ein Ableger der alten Tudeh Partei, welche die alte Partei der Lethargie bezichtigte und sie traten für eine aktivere Politik, basierend auf einen bewaffneten Kampf ein. Nikkhah traf eine chinesische Delegation, als er linke Studentenorganisationen 1964 in Afrika besuchte. Die Chinesen luden ihn nach China ein um ihn mit ihrer Arbeit bekannt zu machen. Zurück in London arrangierte er stattdessen, dass einige iranische Studenten nach China gingen, wo sie im Maoismus und Guerillakampf unterwiesen wurden. Nikkhah reiste in viele europäische Städte und stiftete die Studenten an, die alte Tudeh Partei zu verlassen und sich dem bewaffneten Kampf als Grundprinzip revolutionären Handelns anzuschließen. Nikkhah kehrte Ende 1964 in den Iran zurück. Von Iran aus initiierte er eine ganze Serie von Diskussionen in Europa, die fundamental die Zukunft der Studenten verändern sollte und substituierte China durch die Sowjetunion als ein ideales Beispiel und ersetzte dann beide durch Kuba und Algerien. Gleichzeitig machte er verschiedene Reisen durchs iranische Hochland um die Wirkung seiner Theorien im iranischen Kontext zu testen und ggf. zu implementieren. Er glaubte in seinen Theorien, Iran sei reif für die Revolution wegen seiner vorhandenen sozialen Strukturen und insbesondere wegen des Zustandes des Bauernstandes. Eine Allianz zwischen Arbeitern und Bauernstand, geformt und unter der Führung der revolutionären Partei, war für ihn das geeignete Instrument. Die Antworten jedoch, die er von der Bauernschaft erhielt waren nicht gerade ermutigend. Später, als er zum Befürworter des Shahs wurde, wird er erklären, dass die Reaktion der Bauernschaft wohl der Schlüssel für seine ideologische Transformation war. Aber zuvor kam er zu dem Ergebnis, dass wenn man den Kopf des Regimes abschneiden würde, dieser Akt die politische Rettung verkürzen würde.

Nikkhah wurde wegen des Verdachtes, in einen Anschlag den Shah ermorden zu

Shah Mohammad Reza Pahlavi

Shah Mohammad Reza Pahlavi

wollen verwickelt zu sein, am 10. April 1965 verhaftet, ebenso der Mann, der den Anschlag ausgeführt hatte, Reza Shamsabadi, nach Angaben von General Mohsen Hashemi-Nejad, ein Mitglied der Fadaiyan Eslam. Shamsabadi kannte einen gewissen Ahmad Mansuri, der im inneren politischen Zirkel Nikkhahs gearbeitet hatte. Das war anscheinend die Liaison die Nikkhah mit dem Mordanschlag in Verbindung brachte. Nikkhah leugnete seine Teilnahme an dem Umsturzversuch, ebenso sei seine maoistische Ideologie dafür nicht verantwortlich gewesen. Er wurde zu lebenslanger Haft verurteilt und dann vom Shah begnadigt, wie auch all die anderen Konspirativen und sein Urteil wurde auf 10 Jahre Haft reduziert. Vor seiner Begnadigung, bat er um eine Audienz beim Shah. Er wurde dem Shah in Handschellen vorgeführt, was der Shah als abstoßend empfand. Er befahl die Handschellen abzunehmen. Später sagte der Shah, „ein Blick in die Augen dieses jungen Mannes genügte und ich wusste, das ist kein Mörder.“ Während Nikkhah im Falak-ulAflak Gefängnis eingesperrt war erzählte sein Bruder, der in der Staatsbank Saderat arbeitete, Jahangir Tafazzoli, einem Vorstandsmitglied und ein Freund des Hofministers Assadollah Alam, dass er spüre, dass sein Bruder eine ideologische Transformation vollzogen hätte. Er bat Tafazzoli sich der Angelegenheit anzunehmen und falls auch er zu dem Ergebnis käme, dass Nikkhah sich tatsächlich verändert hat, zu sehen ob man den Fall noch einmal aufrollen könne. Tafazzoli trug den Fall Hofminister Alam und seinem Stellvertreter Mohammad Baheri vor, der wie viele von Alams Freunden und Untergebenen, früher Kommunist war und konsequent der politischen Linken gefolgt war. Baheri sandte Nikkhah verschiedene Dokumente zur Weißen Revolution, einschließlich der Dokumente zur Landreform und bat ihn einen Artikel darüber zu schreiben. Nikkah gab einen positiven Artikel zur Landreform ab und stimmte der Veröffentlichung zu, dabei wurde kein Stück verändert. Baheri fügte noch eine Einleitung hinzu, betreffend Nikkhah und bezeichnete ihn darin als Freidenker und veröffentlichte den Artikel im Kayhan einer der beiden großen Tehraner Tageszeitungen. Später gab Nikkhah verschiedene beeindruckende Vorträge im Fernsehen, in Folge dessen sich der SAVAK für seine Freilassung einsetzte.

Als er aus dem Gefängnis entlassen wurde arbeitete Nikkhah mit Reza Qorbi beim nationalen iranischen Fernsehen NIRT als politischer Analyst. Er übermittelte Baheri ein Projekt zur Umgestaltung der drei Revolutions-Corps (Ausbildung, Gesundheit, Entwicklung) um den moralischen Zweck der Weißen Revolution des Shahs besser zu erreichen. Der Shah war so beindruckt, dass im Sommer 1977, als Baheri Amouzegar als Generalsekretär der Rastakhiz Partei ablöste, er persönlich dazu riet sich den Rat über die Organisation und dem Management der Partei von Nikkhah einzuholen.

Nikkhahs tapfere Worte vor Gericht und seine Verbüßung der Haft in einem rauen Gefängnis machten ihn zu einem Helden der Studentenbewegung in Europa und in den USA. Seine Haft bewegte die Studentenbewegung mehr Aktionen zu starten um ihn und andere zu verteidigen, die gegen das konstitutionelle Regime in Iran waren. Die Studentenbewegung glaubte, dass Nikkhahs mildes Urteil ein Ergebnis ihrer Aktivitäten war. Iranische Quellen unterstützen nicht diese Behauptung, obwohl diese Angelegenheit unzweifelhaft die Organisation der Studenten beflügelte und sie zu noch besseren Verbindungen zu liberalen und linken politischen Gruppierungen im Westen bewegte. Kurosh Lashai war der Auffassung, dass Nikkhah ein Idol der studentischen Bewegung wurde. Sein Bild hang in den meisten studentischen Wohnungen. Lashai sagte, „ als ich in Kudistan war um die revolutionäre Organisation der Tudeh Partei zu organisieren und die Kurden für einen bewaffneten Kampf vorzubereiten, hang Nikkhahs Bild an der Wand meines Zimmers.“

Die Liaison endete, als Nikkhah seine eigenen Theorien in Fernsehsendungen kritisierte, die Studenten aufforderte, aufzuhören gegen den Shah zu kämpfen, und sie dazu bewog für Irans Entwicklung mitzuarbeiten. Viele Theorien über physische und psychische Folter des SAVAK wurden als Erklärung für den Ideologiewechsel Nikkhahs aufgestellt – was auch immer wirklich geschah, er konnte jetzt nicht länger der Held der studentischen Bewegung bleiben.

Sadegh Khalkali

Sadegh Khalkali

Parviz Nikkhah wurde unter den Mullahs angeklagt, den am 7. Januar 1978 in der Zeitung Ettelā’āt erschienen, gegen Khomeini gerichteten Artikel mit dem Titel „Iran und der Schwarze und Rote Kommunismus“ verfasst zu haben. Parviz Nikkhah verteidigte sich selbst, legte dar, dass er den Artikel nicht verfasst haben konnte, und versuchte Richter Sadegh Khalkali davon zu überzeugen, dass er das Regime des Shahs in der Aufbauphase Irans für die beste Regierungsform gehalten hätte und deswegen auch mit dem Shah zusammengearbeitet hätte.

Parviz Nikkhah wurde erneut zum Tode verurteilt. Doch dieses Mal gab es keine Audienz und kein Gespräch mit einer höheren Instanz, es gab keine Umwandlung seines Todesurteils in eine Freiheitsstrafe oder gar eine Begnadigung wie unter dem Shah. Am 13. März 1979, nur etwas mehr als einen Monat nach der Rückkehr Khomeinis in den Iran, wurde Parviz Nikkhah hingerichtet.

4. Teil

Quellen: (Atlantik Monthly 2003; Kubark Manual ; Gholam Reza Afkhami, The Life And The Times Of The Shah; David Frost; Interview mit seiner Kaiserlichen Hoheit Shah Mohammad Reza Pahlavi; Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005; Wolfgang Neskovic (Hg), Der CIA Folter Report, Januar 2015; Alinaghi AliKhani, Assadollah Alam, The Shah And I, The Confidential Diary of Irans Royal Court 1968 – 1977; )

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