SAVAK سازمان اطلاعات و امنیت کشور – Irans Geheimdienst unter dem Shah (4)

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3. Teil

Die studentischen Führer – Kurosh Lashai

Kourosh Lashai, Headstone of Kourosh Lashai (1938 - 2002), memorial, ...

Kourosh Lashai, Headstone of Kourosh Lashai (1938 – 2002), memorial, …

Kurosh Lashai stammte aus einer Familie, die für die Regierung unter dem Shah arbeitete und er hatte keine besondere Abneigung gegen das Shahregime. Sein Vater war Innenminister gewesen und in den 1940iger und frühen 1950iger Jahren hatte sein Vater Gouverneursposten in mittelgroßen Verwaltungsdistrikten inne. Während Lashais Zeit im Gymnasium war er sowohl für Mossadeq als auch für den Shah und nach dem Fall Mossadeqs war er nur noch für Mossadeq gewesen. Als er Ende 1950 in Deutschland Medizin studierte, driftete er politisch nach links ab und begeisterte sich in den frühen 1960iger Jahren für Parviz Nikkhah. Als Nikkhah die neue revolutionäre Organisation der Tudeh Partei auf der Basis maoistischer Ideologie gründete, trat er der Organisation bei. Er wurde zu einer der Führer der Bewegung und erhielt bei verschiedenen Gelegenheiten ideologische und praktische Ausbildung in China, ging in den Iran um die Kurden für sich zu gewinnen und ging zurück nach Europa und wieder in den Iran, wo er im Herbst 1972 enttarnt und verhaftet wurde.

Zu jener Zeit hatte er bereits ernsthafte Zweifel an der Relevanz seiner Theorien und an der politischen Effizienz seiner Aktionen entwickelt. Lashais Diskurs hinsichtlich dieser Tatsache öffnet ein Fenster zu der Frage nach der Nachhaltigkeit von Liaisons in säkularen revolutionären Bewegungen. Er begann mit Nietzsche und Kierkegaard, bewegte sich dann in Richtung Marx, Lenin und Mao und endete damit vom Bauernstand in Kurdistan und Dubai zu lernen. „Die Konzentration auf die Praxis und den Aktionen, lässt dir nicht viel Zeit zum studieren“, sagte er seinem Interviewer viele Jahre nach der Islamischen Revolution. Von Maos Lehren lernte er: „einfach, unkompliziert, aber unwiderruflich revolutionär führt jeder Schritt zum nächsten, als ob er vom Schicksal bestimmt sei.“ Noch am Anfang dachte er, dass seine Truppe, ein ernsthaftes Potential hätte, weil seine Leute eine militärische Ausbildung in China, Kuba und Palästina erhielten. Maos Lehren ließen ihn glauben, dass Iran eine semi-feudale und semi-kolonialistische Gesellschaft sei, die reif dafür war durch gewaltsame Revolution eine kommunistische Gesellschaft zu werden. Aber irgendwie spiegelte weder das iranische Volk ein solches Bild wieder, noch sprachen sie darauf an, stattdessen präsentierten sie das wahre Gesicht der Realität, die er nur schwer zu begreifen vermochte.  Bahman Qashqai zum Beispiel, ein Schössling der Stammesfürsten in der Provinz Fars, der nach den Aussagen von Lashai förmlich vor ideologischem Engagement brannte, hatte sich für einen Aufstand gegen die Landreform entschieden, was Lashai und die Studentenvereinigung als die „südliche Revolte“ bezeichneten, aber die Revolte verlief im Laufe der Zeit im Sand. Bahman wurde am 15. April 1964 festgenommen und im November desselben Jahres hingerichtet, denn der Aufstand den er anführte, kostete 5 Polizisten das Leben. Die Idee, den Shah und seine Landreform mittels Großgrundbesitzer und Stammesfürsten zu bekämpfen, in der Hoffnung dabei die Bauern und Arbeiter für sich gewinnen zu können war bizarr, während die Tudeh Revolutionäre diese Ironie ignorierten.

Später, auf seinen Reisen in den Irak und ins iranische Kurdistan, wurde er mit einer weit verbreiteten Gleichgültigkeit der Bauern konfrontiert. Seine ideologische Wandlung begann, als er den Irak und Dubai verlassen hatte um nach Europa und anschließend nach Tehran zu gehen um die Führung der Bewegung in den Iran zu verlegen. In Tehran verweilend wusste er, dass er und seine revolutionären Kollegen keine Wurzeln in der iranischen Gesellschaft schlagen können. Seine Co-Ideologen aber, konnten diese Realität nicht akzeptieren. Sie waren, wird er später sagen, „in einer ablehnenden Haltung.“ Es war nicht praktisch, das Thema zu dieser Zeit auf den Tisch zu bringen, denn die Bewegung war besonders kritisch und misstrauisch den Pessimisten gegenüber und das war ein Zeichen von ideologischer Korruption. In Tehran beschränkte sich Lashais Kampf darin, der Tochter eines Großgrundbesitzers Geschichte und Philosophie zu lehren. Er begann an der Rationalität seiner Aktionen zu zweifeln. Die Frage die er sich stellte war bald, ob er als Märtyrer sterben sollte um das revolutionäre Feuer zu entfachen. Zur selben Zeit stellte er ein Dokument zusammen, das die Organisation dazu einlud, ihre Strategien und Taktiken zu überdenken, das Dokument war noch nicht vollendet, als es bei seiner Verhaftung in die Hände des SAVAK fiel. Die Haftumstände die Lashai angab, weichen von denen des SAVAK ab. Nach Angaben von Hossein Zadeh, der einer der SAVAK Agenten war, erwähnt er Lashai in seinem Interview, Lashai soll verhaftet worden sein, als er in seine Praxis ging um sich eine Injektion zu holen und Lashai wurde dort von Agenten des SAVAK festgenommen. Lashai soll schnell reralisiert haben, dass er enttarnt wurde und soll keine Anstrengungen sich der Verhaftung zu widersetzen unternommen haben. Er soll verhört worden sein, in dieser Version wurde offenbar keine physische Folter angewandt, aber psychischer Druck ausgeübt.

In Lashais Bericht hört es sich anders an, so soll er auf offener Straße festgenommen worden sein, als er verschiedene Immobilienbüros besuchte, weil er ein Appartement suchte. Ihm soll bei jeder Frage ins Gesicht geschlagen worden sein und im Evin Gefängnis soll er ausgepeitscht worden sein. Die Vernehmungsbeamten sollen angegeben haben, dass sie wüssten wer er war, aber seinen Namen nicht kannten, stattdessen beharrten sie darauf, dass er seine Identität selbst preisgab, als er geschlagen wurde. Er kam zu dem Schluss, dass sie seine wirkliche Identität nicht kannten und ihn fälschlicherweise mit Ahmad Ashraf, einem Mitglied der Fadaiyan Khalq, einer anderen marxistischen Gruppe, die in bewaffnete Terroranschläge gegen das Regime des Shahs verwickelt war, verwechselten. „Drei bis vier Tage wurde ich gefoltert, bis ich meine Identität preisgab. Ich lehne es ab, dass Nahavandi mich verraten hätte, denn es würde keinen Sinn machen nur mich und die anderen nicht zu belasten und ich glaube nicht, dass sie mich aus taktischen Gründen schlugen, denn sie wussten nicht wer ich war und hörten mit dem Schlagen auf, als ich meine Identität preisgab,“ sagte Lashai. Es ist schwer zu glauben, dass Nahavandi, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, auf Fälle wie Lashais aufmerksam macht um den SAVAK zu warnen um damit unbeschadet davonzukommen. Wie auch immer, der Punkt ist, dass Lashai zu dem Schluss kam, dass es nicht möglich war, die revolutionäre Führung erfolgreich von Europa in den Iran zu transferieren, deren Entwicklung dringend notwendig gewesen wäre um erfolgreich innerhalb des Landes zu sein. In Haft zog er den Selbstmord oder den Tod unter Folter in Betracht um als Märtyrer zu gelten um der Bewegung einen heroischen Anstrich zu geben, der dem revolutionären Kult verhelfen würde oder alternativ einfach die Wahrheit zu sagen und dadurch sich weigern würde ein Komplize der Lüge zu werden. Genau wie Parviz Nikkhah und andere vor ihm entschied er sich dafür ehrlich zu sein und ehrlich glaubte er nun, dass er ideologisch falsch gelegen hatte.

Lashai war nicht so lange im Gefängnis wie Nikkhah. Seine Schwester war Protokollführern am kaiserlichen Hof und seitdem er sein revolutionäres Bestreben widerrief, konnte sie seinen Gang in die Freiheit über Hofminister Assadollah Alam beschleunigen. Aus dem Gefängnis entlassen, begann er zunächst bei Ali Rezai, einem wichtigen Industriellen, als Manager in der Stahlproduktion zu arbeiten. Später fand er Trost in der Lejion-e khedmatgozaran-e baher, der iranischen Antwort auf das amerikanische Friedens Corps. Diese Legion wurde in Iran nach einem Plan entwickelt den der Shah in Harvard am 13. Juni 1968, als er die Ehrendoktorwürde erhalten hatte, etablierte. „Die Wurzeln allen Übels, die unsere heutige Welt verschlingen“, sagte der Shah, „liegen in den Entbehrungen, Vorurteilen, Diskriminierung, Armut, Hunger, Unwissenheit und Unterdrückung, von der die Menschen weltweit betroffen sind. Ob im Norden, Süden, Osten oder Westen,  heute warten hunderte von Millionen Menschen auf Hilfe um ihr Leid zu lindern. Deshalb befürworte ich eine internationale Legion, in der Menschen aus allen Nationen, Rassen, Geschlechtern und sozialen Schichten einen Teil ihrer Zeit in die Dienste der Humanität stellen“

The Shah and I: The Confidential Diary of Iran's Royal Court, 19.

The Shah and I: The Confidential Diary of Iran’s Royal Court, 19.

Vier Jahre zuvor, im Jahr 1964 schlug der Shah vor, dass jedes Land der Welt den Tagesetat seines militärischen Budgets in einem Fond zur Beseitigung des Analphabetismus in der Welt zur Verfügung stellen sollte. Alle Länder lobten diese Idee, aber nur Iran setzte diesen Gedanken um. Assadollah Alam, der kaiserliche Hofminister hatte viele Leute aus verschiedenen Ländern zur Umsetzung dieser Idee eingeladen um diese neue politische Bewegung in Gang zu setzen, doch letztlich kam sie nur in Iran zustande. Assadollah Alam besetzte die Spitze der Organisation mit Rasul Parvizi, seinem Freund, literarisch gebildet, aber mit wenig Antrieb. Bald war klar, dass die neue Organisation mehr Energie brauchte um erfolgreich zu sein. Baheri sah Lashai im Fernsehen, wie er seine alten Kollegen als „Antirevolutionäre“ bezeichnete und war sehr beeindruckt von ihm. Er fragte Alam ob er Lashai nicht anwerben könnte um ihn als Generalsekretär der Organisation arbeiten zu lassen und sollte es aus politischen Gründen nicht möglich sein, würde er diese Position bekleiden und Lashai sollte sein Stellvertreter werden. Diese Option wurde dem Shah vorgeschlagen, der dann zustimmte, dass Lashai zum Generalsekretär ernannt wird. So wurde ein ehemaliger Revolutionär der Kopf einer Organisation, in der der Shah einen Ehrensitz inne hatte und der kaiserliche Hofminister Assadollah Alam der Vorstandschef war. Später wurde Lashai vom Shah empfangen und für seine gute Arbeit beglückwünscht, eine Ehre die nicht oft jemandem zuteil wurde.

Nikkhah und Lashai repräsentierten einen wichtigen Teil der europäischen Linken, die sich Mitte der 1960iger Jahre und in den frühen 1970iger Jahren formierte. Die Nachkriegs-Linke in Europa basierte auf dem strengen Marxismus, ausgedrückt in einer Form der sozialen Demokratie oder dem Leninistischem Kommunismus. Jede dieser Manifestationen zeigte sich als Links, klar getrennt von nicht linker Politik und anderen nicht linken ideologischen Organisationen, Gruppierungen und Bewegungen. Diese Orthodoxie wurde ab Mitte der 1960iger Jahre gebrochen. Bis dahin, war die Linke hauptsächlich ein europäisches Phänomen gewesen und nun wurde sie signifikant beeinflusst von den Entwicklungen in Amerika. Partei-Ideologie und etablierte Ideologien wurden langsam überschattet von intellektuellen Gruppierungen und politischer Romantik, abseits jeglicher Realität.

Che Guevara, Ho Chi Minh und auch Joan Baez erreichten eine derart ausgeprägte Popularität in der Linken Szene, manchmal sogar eine größere als Marx oder Lenin selbst. Selbst Joschka Fischer, der ehemalige Bundesaußenminister, Vizekanzler und einst Führer der Grünen gab zu, dass er mehr von Bob Dylan als von Marx beeinflusst wurde.

Das US-amerikanische Trauma: Der Vietnamkrieg - n-tv.de

Das US-amerikanische Trauma: Der Vietnamkrieg – n-tv.de

Vietnam und Algerien bildeten ein größeres Impressum auf die junge intellektuelle Psyche als das Andenken an Stalingrad. Die Konzepte für den Fortschritt begannen sich zu ändern und Erfolg wurde neu definiert. Während in der Vergangenheit Fortschritt mit Wachstum, Aufbau und Entwicklung in Verbindung gebracht wurden, wurden nun individueller Raum, Umwelt, Gerechtigkeit und „klein ist schön“ zur neuen Mode. Ergebnisse waren nun nicht mehr wichtiger als die Absicht und der Wille. Machtverhältnisse wurden zu geistigen Übungen abstrahiert und der bewaffnete Kampf wurde zu einem eigenständigen Wert stilisiert, unabhängig vom Kontext. Die romantische Idealisierung des Kampfes und das Ziel des Kampfes machten die Kämpfer weitgehend unempfindlich gegenüber den Maßnahmen der Staaten, ganz gleich ob in Iran oder in den Vereinigten Staaten von Amerika.

mehdi khanbaba tehrani alborznews.eu

mehdi khanbaba tehrani
alborznews.eu

Es gab nichts was der Shah oder die Regierung Irans hätten vernünftigerweise tun können, das die Studenten in Europa und den USA hätte besänftigen können. Viele dieser Studenten, Anfang des 21. Jahrhunderts nun im fortgeschrittenen Alter geben das zu, darunter Mehdi Khanbaba Tehrani, ein Pionier unter den Führern der Studentenvereinigung, genau wie Nikkhah und Lashai, deren Vergangenheit ihrem Fortkommen unter dem Shah nicht geschadet hatte. Nach der Sicht der Studentenvereinigung hinsichtlich der Reformen des Shahs gefragt antwortete Tehrani: Ich glaube, dass die Studentenbewegung sich allmählich immer weiter von der iranischen gesellschaftlichen Realität oder seinen realen Themen entfernt hat. Die Bewegung hielt ein versteinertes, altes Bild, zurückgelassen aus den Zeiten Ahmad Shahs und Reza Shahs in ihren Händen, von Bauern in Baluchistan, die sich von Dattelkernen ernährten, ein Bild wie es ein Ettela’at Artikel 30 Jahre zuvor malte. Für uns waren Revolution und Reformen miteinander unvereinbar. Wir glaubten zum Beispiel, dass wenn das Shahregime die Gleichberechtigung und Liberalisierung der Frauen akzeptiert, sie in bürgerliche Puppen verwandelt würden und wir beklagten, wie können Frauen frei sein, wenn es die Männer nicht sein können? Diese Art der Analyse trieb uns unbewusst in eine Allianz mit Khomeini und Montazeri wo wir sagten, dass die oberflächlichen Rechte die uns der Shah gab gut waren –  aber eben nicht genug, so dass wir weitermachen mussten. Die Studentenvereinigung war eine Organisation, die auf absoluter Ablehnung basierte […] Ihre Mitglieder gehörten nicht einer tief verwurzelten sozialen Organisation mit profunden revolutionären Ideen an. Sie waren vor allem Idealisten, die gegen die soziale Ungerechtigkeit revoltierten und das Bild des Feindes war der Shah […] Sie hatten keine Ahnung von Iran und wir hatten Angst davor, wenn uns Fragen nach Reformen und Programmen ernsthaft gestellt würden, das Bild des Feindes (der Shah) aus den Köpfen der Mitglieder verschwinden würde. Im intellektuellen Sprachgebrauch waren wir modellgetreu und nüchtern.“

5. Teil

Quellen: (Atlantik Monthly 2003; Kubark Manual ; Gholam Reza Afkhami, The Life And The Times Of The Shah; David Frost; Interview mit seiner Kaiserlichen Hoheit Shah Mohammad Reza Pahlavi; Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005; Wolfgang Neskovic (Hg), Der CIA Folter Report, Januar 2015; Alinaghi AliKhani, Assadollah Alam, The Shah And I, The Confidential Diary of Irans Royal Court 1968 – 1977; )

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3 Gedanken zu „SAVAK سازمان اطلاعات و امنیت کشور – Irans Geheimdienst unter dem Shah (4)

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