SAVAK سازمان اطلاعات و امنیت کشور – Irans Geheimdienst unter dem Shah (6)

savak

5. Teil

Der weite Weg zur Wahrheit

Der Shah hatte nie die volle Wahrheit erfahren. Was er David Frost in dem Interview im 2. Teil dieser Artikelreihe über einen Polizeioffizier sagte, „[…] der so wütend wird, wegen des Verhaltens des Kerls der inhaftiert wurde, dass er den Kopf verliert und den Kerl schlägt oder einen Stuhl auf seinem Kopf zertrümmert“ war nicht etwas, das er nur aus amerikanischen Filmen kannte; er wusste, dass das Teil einer Realität in seinem eigenen Land war. Wie auch immer, der SAVAK und Folter gehören in eine andere Kategorie. Folter impliziert die absichtliche, geheime Zufügung von Schmerzen oder psychologischer Repression um Informationen zu erhalten, wogegen Brutalität der Polizei eher eine spontane Reaktion der Wut oder des Missbrauches von Macht darstellt und mit Folter im eigentlichen Sinn nichts zu tun hat. In jedem Fall beeinflusst die vorherrschende Sicherheitskultur das Ausmaß der Wut, abhängig von den Werten und der Moral, die die Kultur enthält und ausdrückt. Es kann sein, dass SAVAKs Krieg gegen radikale Linke oder extremistische muslimische Revolutionäre zu einem persönlichen Krieg mutierte und sie zum Foltern nach dem Kubark Handbuch der CIA und zum Töten verleitete.

180px-imperial_iranian_pahlavi_secret_police_insignia_savakAbhängig von den Erfordernissen und den Umständen bewegte sich der eine oder andere SAVAK Agent von Zwangsmaßnahmen hin zur Folter, aber das entschuldigt weder den betroffenen SAVAK Agenten noch die Organisation, noch den Shah selbst. Auf der anderen Seite ist klar, dass nichts von all dem leicht zu ermitteln und festzustellen war, denn die Opposition und idiotische, politisch instrumentalisierte westliche Organisationen, wie Amnesty International, beschuldigten wahllos den SAVAK Gefangene zu Foltern und weil, wie David Frost es auf den Punkt brachte, ein einziger Fall von Folter, schon einer zu viel ist, konnte der Shah in diesem Interview nur unterliegen. Der Shah war frustriert, weil er Folter nicht verteidigen konnte und es doch Folter in seinem Land gegeben hatte und weil er nicht die Hände seiner Sicherheitskräfte fesseln konnte und natürlich erwartet hatte, dass sie gegen jene kämpfen, die sich wünschten, ihn oder das was sein Vater und er aus dem Chaos der türkischen Kadscharendynastie aufgebaut hatten zu zerstören, unabhängig vom Verdienst für das, was er für das Land getan hatte. Der ärgerlichste Punkt am SAVAK war seine Einstellung gegenüber Organisationen und Personen, die dem Regime des Shahs dienten. Sie erstickten vieles, was nicht erstickt werden durfte, zum Beispiel in den Medien. Die Kultur der Berichterstattung in Iran war damals, wie heute, alles andere als investigativ. Regierungsbeamte wurden für gewöhnlich nicht in Frage gestellt, so hing oft der Stil der Berichterstattung von der Risikofreudigkeit und der Einstellung des Reporters zum jeweiligen Beamten ab.

Manchmal verlangten die Chefredakteure eine aggressivere Berichterstattung und die Minister waren dann nicht immun gegen Kritik, der Shah aber war unantastbar, weil er als König der Könige die iranische Nation verkörperte. Die iranische Mashruteh Verfassung erklärte den Shah für nicht verantwortlich, für jedweden politischen Disput, da er den Staat repräsentierte und damit stellte er für den Journalismus und für politische Parteien ein unlösbares Problem dar, insbesondere weil er in der Tat die Politik und die Geschicke des Landes führte. Über das Militär zum Beispiel, wo er Oberbefehlshaber der iranischen Streitkräfte war, durften die Medien nicht berichten, die Außenpolitik wurde selten angetastet, mitgeteilt wurden nur die Entscheidungen der Regierung. In anderen Bereichen mag es einen Spielraum für kreative und aggressive Berichterstattung gegeben haben, aber auch sie wurden auf breiter Front in Selbstzensur durch die allgegenwärtige Angst, die wahre Hauptwaffe der Kontrolle in SAVAKs Arsenal, erstickt. Wenn der Shah von einzelnen Fällen erfuhr, intervenierte der Shah für gewöhnlich im Sinne der Fairness, wie folgende Episode zeigt:

Bildquelle: 972 mag.com

Bildquelle: 972 mag.com

In den 1970iger Jahren gab es einen Studentenstreik an der Universität Tehran. Das Management des NIRT (National Iranian Radio And Television) hatte beschlossen über die Unzufriedenheit der Studenten zu berichten. Es zeigte sich als schwierig, die Bedürfnisse der Studenten öffentlich zu machen, zum Teil wegen des Druckes, der von der Führerschaft der Studenten auf sie ausgeübt wurde und natürlich teilweise auch wegen dem SAVAK und der möglichen Auswirkungen, die ihre Beschwerden hervorrufen könnten. Nach Verhandlungen mit den Studenten gelang es Reportern eine Gruppe von Studenten, die verärgert genug waren, dazu zu bewegen, ihren Beschwerden eine Stimme in der Öffentlichkeit zu verleihen, das aber unpolitisch genug um die akzeptierten Grenzen nicht zu überschreiten. NIRT Chef Reza Qorbi glaubte, dass der beste Mann um mit den Studenten zu sprechen Iraj Gorgin war, ein hochrangiger NIRT Vertreter mit hohem Wissen über Politik um SAVAKs Druck zu wiederstehen und der genügend Erfahrung hatte um mit den Studenten zufriedenstellend umzugehen. Gorgin managte den Job mit professionellem Geschick, einschließlich der Möglichkeit eines politischen „Gebens und Nehmens“ der Studenten. Inmitten der heißen Diskussion mit den Studenten sagte er, „er verstehe was die Studenten sagen“ und stimmte den meisten Dingen zu, „[…] aber es gäbe Punkte in der Diskussion die an konkrete Personen adressiert werden müssten.“ Dem SAVAK gefiel dieser Satz nicht und sie ließen es ihm in unmissverständlicher Weise wissen. Wie Gorgin behandelt wurde, war symptomatisch für SAVAKs Verdächtigungen und Paranoia, dass nun auch der NIRT von Linken infiltriert wurde. Seine Schwester war mit Khosrow Golsorkhi, einem Mitglied der Fadaiyan Khalq verheiratet, der geplant hatte, den Shah, die Shahbanu und den Kronprinzen als Geisel zu nehmen. Golsorkhi blieb unnachgiebig in seinen Überzeugungen und ausgesprochenen Gedanken bei seinem Prozess, der umfassend im Fernsehen übertragen wurde. Der SAVAK vertraute Gorgin nicht und war nicht mit der Arbeit des NIRT einverstanden. Nachdem die Regierung den Fernsehsender schon bald danach im Jahr 1968 übernommen hatte, schrieb der SAVAK einen extrem negativen Bericht darüber an den Shah, indem er schrieb, dass der NIRT „ein Nest Linker Aktivisten geworden“ sei. Der Shah schrieb an den Rand des Berichtes: „Qorbi erklären Sie“. Qorbi diskutierte den Bericht mit seinen Kollegen, einschließlich Mahmud Jafarian, der zu jener Zeit sein Stellvertreter war. Jafarian war früher ein Mitglied der von Moskau finanzierten linksgerichteten Tudeh Partei gewesen und arbeitete später für den SAVAK; Er kannte beides: die Linken und den SAVAK. Er sagte Qorbi, dass dieser Bericht „Gefängnis“ bedeute. Die Art wie es geschrieben war, in Verbindung mit den Vorwürfen, machte die Angelegenheit zum Verrat. „Er schuf Gottesfurcht in mir“, erinnerte sich Qorbi später. Qorbi schrieb einen Gegenbericht, erklärte die Politik der Organisation und das Warum, den Entscheidungsprozess, die Nachrichten, die Wochenschau und die Filme, die Kritiken und die Mitarbeiter, die vielleicht einmal der einen oder anderen linken Organisation angehörten und vielleicht wegen ihrer Aktivitäten sogar einmal inhaftiert waren, aber ihre politische Weltanschauung beibehielten. Unterstützt von Jafarian durchleuchtete Qorbi alle Mitarbeiter, die mit Nachrichten und Kommentierung zu tun hatten. Dabei stieß er auf einen Mann der verhaftet wurde, weil er in seinem Besitz das Buch „Maxim Gorky’s Mother“ hatte. Das gab Qorbi einen guten Vorwand um einen Schlag gegen den Bericht des SAVAK auszuführen. „Ich habe dieses Buch in meiner Bibliothek und viele andere wie dieses; sollte ich jetzt verhaftet werden?“ schrieb er in seinen Bericht an den Shah. Sein Bericht endete mit einem Gegenschlag in dem er schrieb, dass jene die den Originalbericht verfasst hatten, damit eine junge Organisation attackieren, in der kluge junge Männer und Frauen im Dienste des Königs und des Landes beschäftigt sind und er schrieb, dass mit dem Originalbericht dem König und seinem Land ein Bärendienst erwiesen wurde.

Die Aufnahme früherer Dissidenten, speziell der Linken, in die Dienste des Regimes war politische Routine, ironischerweise häufiger sogar in Organisationen die dem Shah besonders nahe waren. In seinem Gegenbericht argumentierte Qorbi, dass es ein großes Spektrum an Ideenreichtum im Land gäbe. Die Menschen sähen und erklärten die Ereignisse aus der Sicht ihres politischen Spektrums. Es mag sein, dass beim NIRT das politische Spektrum mehr links als rechts war. Aber jeder von ihnen hatte sich entschieden für eine Organisation zu arbeiten, die dem Regime stark verpflichtet war, offen und klar. „Wäre es besser gewesen wenn diese Talente in dieser Institution, nun für Radio Peyk-e Iran, ein kommunistischer Radiosender, der seine Sendungen von Ost Deutschland aus in den Iran sandte, gearbeitet hätten? Es sollte nicht unsere Politik sein, Menschen zu vertreiben oder sie verstummen zu lassen,“ schrieb Qorbi an den Shah. „Es gibt Leute die in der Öffentlichkeit anders sprechen als im privaten Kreis. Solche Individuen wollen wir nicht. Wir sollten unser Bestes geben, diesen Menschen zu helfen auf uns offen und aufrichtig zuzugehen um produktiv für das Land und sich selbst zu werden,“ schrieb Qorbi weiter.

Der Shah war berührt von Qorbis Ausführungen und schrieb am Rand des Originalberichtes: „Jene, die diesen falschen Bericht schrieben, sollten identifiziert und bestraft werden.“ Das war zu viel. Als die Nachricht den NIRT erreichte, baten Qorbis Kollegen ihn zu tun was immer er konnte um das was sie als gefährliche Entwicklung betrachteten zu stoppen. „Keine Bestrafung bitte, sie können eine Person zur Bestrafung auswählen, aber der SAVAK wird das sicher an allen von uns auslassen“ flehten sie. Gorbi entsprach dem Ersuchen.

David Frost sagte im Interview: „[…] Um es auf den Punkt zu bringen, es ist offensichtlich, dass wir über Zahlen der Ayatollahs und Ihren Zahlen sprachen und Ihre Zahlen sind geringer und wir sollten hinzufügen, so denke ich, dass wir zwar über Zahlen in Ihrer Antwort zur Geschichte sprachen, aber in diesem Terrain, ein einziger zu viel ist.“ Dieselben internationalen Massenmedien, die zu den Zeiten des Shahs überall Polizisten, Gefängnisse voller Gefangener und Straßen voller Leichen gesehen haben wollen, sahen nach und während der Islamischen Revolution nichts mehr – und sie sahen dann für mehr als ein weiteres viertel Jahrhundert kaltblütig dem Blutbad zu. Noch unverständlicher ist die Tatsache, dass die internationalen Juristengremien, die in den Zeiten des Shahs unentwegt gute Ratschläge über humanen Strafvollzug erteilt haben, nun nichts mehr zu beanstanden hatten.

Im Interview mit Frost antwortete der Shah „[…] Es mag Fälle geben in denen übertrieben wurde. Die Frage ist, o.k., wie ich schon sagte, vielleicht hätten wir früher beginnen sollen. Aber sie (die Mullahs) hatten ihre Revolution vor einem Jahr. Wo ist die Pressefreiheit? Die Freiheit der Menschen? Wo ist sie jetzt? Haben sie mehr Freiheit? Können sie ihre Meinung äußern? Wir haben in der gesamten Geschichte unseres Landes noch nie eine solche Repression gesehen.“

Als Verbündeter sollte der Shah sich dem westlichen Ideal von Demokratie verpflichten. Aber die so genannte „Islamische Republik“, die alle Ideale des Westens zu einer Farce macht, wurde herzlich vor das Forum der Vereinten Nationen geladen. Der SAVAK war vor allem eine Kreation der Amerikaner und der Briten, der immer wieder gegen den Shah in einer beispiellosen Hetzkampagne eingesetzt wurde. Der SAVAK, bei all der berechtigten Kritik, wurde vor allem zum Instrument der Feinde Irans gegen den Shah, wann immer seine Politik von der des Westens abwich.

Quellen: (Ahmad Rezai, booklet, The Profile of a Muslim; Atlantik Monthly 2003; Kubark Manual ; Gholam Reza Afkhami, The Life And The Times Of The Shah; David Frost; Interview mit seiner Kaiserlichen Hoheit Shah Mohammad Reza Pahlavi; Alfred W. McCoy: Foltern und Foltern lassen. 50 Jahre Folterforschung und -praxis von CIA und US-Militär. Zweitausendeins, Frankfurt am Main 2005; Wolfgang Neskovic (Hg), Der CIA Folter Report, Januar 2015; Alinaghi AliKhani, Assadollah Alam, The Shah And I, The Confidential Diary of Irans Royal Court 1968 – 1977; )

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