Das Fest Sizdah Pâdare oder Sizdah Bedar

Die Feierlichkeit am 13. Farvardin {13. فروردین} [der erste Monat des iranischen Sonnenkalenders], ist ein sehr seliges und geliebtes Fest. Iraner bezeichnen diesen Tag dennoch als einen unheilbringenden Tag, denn eine große Mehrheit der Iraner kennt sich leider mit der Entstehungsgeschichte dieses Tages nicht gut aus.

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Altiranische Kosmogonie – der Verteidigungskampf der materiellen Schöpfung (8)

Âfarineše HastiVon Artaxerxes I.
Als der unterlegene Ahriman und sein dämonisches Gefolge zur eiligen Flucht in die unendliche Finsternis ansetzten, lösten sich die materiellen Schöpfungen langsam aus ihrer lähmenden Ohnmacht und gingen nun ihrerseits entschlossen zum Angriff über.

Die erste materielle Schöpfung, die sich Ahriman in den Weg stellte war dabei der Himmel. Der Geist des Himmels, der zuvor aus Furcht klein beigegeben hatte, erschien nun in der Gestalt eines agilen, heldenhaften Kriegers, der mit einer metallenen Rüstung gewappnet ist und stellte sich mutig Ahriman in den Weg. Um ihn an der Flucht zu hindern, erbaute der Geist des Himmels zunächst eine unsichtbare Mauer um das Himmelsei. Dieser Mauer wurde dann von Ohrmazd anschließend zu einem massiven Wall umgewandelt, deren Härte dabei die des metallenen Himmelgewölbes bei weitem überrragte, so dass Ahriman nicht wie zuvor ein Loch in sie schlagen konnte. Um diese Festung stellte Ohrmazd die Frawahr der wohltätigen Menschen auf, die so dicht formiert waren „wie die Haare auf einem Menschenhaupt“. Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie – der Einbruch in die gute Schöpfung (7)

Âfarineše GitiVon Artaxerxes I.
Während der 3000 Jahre, in der die materielle Schöpfung in Verteidigungsbereitschaft stand, verbarg sich der ohnmächtige Ahriman weiterhin in den tiefsten Abgründen der unendlichen Finsternis. Der böse Geist vermochte es nicht, sich aus seiner Ohnmacht zu befreien, denn zu tief saß der Schock, den der heilige Gesang des Ohrmazd in seinem Körper und seinem Geist einst ausgelöst hatte.

Die dämonischen Kreaturen sorgten sich deshalb sehr um ihren Meister und schmiedeten umgehend einen Plan. Sie versuchten dabei ihren Vater aus der Passivität zu locken, indem sie ihn mit ihrer Kampfesbereitschaft zu einem Angriff auf die gute Schöpfung ermutigen wollten. Die gesamte Schar an Dämonen versammelte sich dazu in seiner Nähe und jeder sprach abwechselnd vor ihm diese Worte:

„Erhebe dich, unser Vater! Denn wir wollen in der Welt Krieg anstiften; dieser Krieg wird es sein wodurch dem Ohrmazd und den unsterblichen Heiligen Bedrängnis und Ungebürlichkeit entstehen soll!“ Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie – die Erschaffung der Lichter (6)

$233483Von Artaxerxes I.
Nachdem die sieben materiellen Schöpfungen ausgeformt waren, begann Ohrmazd die irdischen Lichter zwischen der Erde und dem Himmel anzubringen. Von diesen Lichtern erschuf Ohrmazd zuerst die Sterne der Konstellationen (Stārān-ī axtarīg 1); diese fixierte er an das dunkelblaue Firmament (Spīhr 2) oberhalb der Wolkenspähre, dass aus dem leiblichen Körper der unendlichen Zeit geformt ist. Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie – die Erschaffung der materiellen Welt (5)

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von Artaxerxes I

Während der ohnmächtige Ahriman in den tiefsten Abgründen der unendlichen Finsternis verblieb, nutzte Ohrmazd seine Abwesenheit für die Erschaffung der materiellen Schöpfungen (Gētīg 1), die er schon lange zuvor als geistige Urformen in einem Körper aus Feuer eingeschlossen hatte. Dieser Übergang der geistigen Prototypen in ihre materielle Form wurde von den alten Iranern wie die Geburt eines Menschenkindes vorgestellt, dass im Mutterleib zuvor eingeschlossen ist.

Die unergreifbaren und bewegungslosen Urformen wurden dabei in geistiger Weise so ernährt, wie ein männlicher Same (Šusar 2), der Nahrung in der Nässe der Gebärmutter vorfindet. Dieser Same vermischt sich im Laufe der Zeit mit dem mütterlichen Blut; aus diesem Akt heraus entsteht schließlich der menschliche Embryo. Ursprünglich gleichförmig beschaffen, wird sich die Gestalt des Embryos durch die Bildung seiner vier Gliedmaßen ändern. Mit dem darauffolgenden Prozess der „Aushöhlung“ entwickeln sich anschließend die Augen, die Ohren und der Mund, mit dem der Neugeborene seine Umwelt wahrnehmen wird. Zuletzt erfolgt die Geburt des menschlichen Fötus, welches durch einen natürlichen Auftrieb beginnend sich auf eigenen Füßen fortbewegt, so wie die fertigen materiellen Schöpfungen nach ihrer endgültigen Ausformung ihre Aufgaben in der irdischen Welt wahrnehmen werden. Aus diesem Grund glaubten die alten Iraner, dass Ohrmazd für seine Geschöpfe sowohl Mutter (Mādar 3) als auch Vater (Pidar 4) war; ersteres, weil er die geistigen Prototypen wie eine Mutter ihr Embryo in ihrem eigenem Leib ernährte , zweiteres, weil er mit der materiellen Ausgestaltung der Prototypen wie ein Vater war, der seinem neugeborenen Kind den Weg in das Leben weist.

Kurz bevor der Schöpfer Ohrmazd sich jedoch der Erschaffung der materiellen Welt annahm, berief er noch kurzerhand eine Versammlung mit den Frawahr 5 der zukünftigen Menschen ein, die aus dem Samen des Urmenschen geboren werden. Ohrmazd wollte sich nämlich vergewissern, ob diese überhaupt damit einverstanden wären, in die materielle Welt und damit in die Vermischung von Gut und Böse gesetzt zu werden; deshalb stellte er ihnen folgende Frage: Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie – geistige Schöpfungen (3)

Ahurâ MazdâVon Artaxerxes I.
Ohrmazd erschuf zuallererst die Existenz des Spirituellen in der Form des guten Vorankommens (Nēk-Rawišnīh), welches seinen eigenen Körper zum Guten hin vervollkommnen wird. Jener Geist stellt die Basis für die Erschaffung der gutartigen Schöpfung von Ohrmazd dar, denn er erschafft aus reiner Wohltätigkeit und Güte. Bevor sich Ohrmazd daran machte, seine geistige Schöpfung weiterzuführen, hielt er kurz inne und erblickte mit seinem erleuchteten Weitblick folgendes:

„Ahriman wird niemals von seiner Feindschaft ablassen; dieser Widersacher wird nicht machtlos gemacht werden außer durch die Erschaffung meiner Geschöpfe“ Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie – Der Uranfang (2)

$233154Von Artaxerxes I.
Die alten Iraner glaubten, dass seit Anbeginn der Zeiten zwei geistige Urwesen im kosmischen Raum existierten. Einer von ihnen war Ohrmazd1, der mit Allwissenheit (Harwisp-Āgāhīh) und Güte (Wehīh) gesegnete Herr der Weisheit, von dem alles Gute hervorgeht; dieser befand sich seit unendlicher Zeit (Zamān-ī Akanārag2) in den höchsten Höhen des Kosmos, dort wo die Essenz des Lichtes gelagert ist, das seit alters her als das unendliche Licht (Asar Rōšnīh) bezeichnet wird. Weiterlesen

Altiranische Kosmogonie (1)

Big BangVon Artaxerxes I.
Das heutige Avesta als ältestes schriftliches Zeugnis über die religiösen Traditionen der alten Iraner enthält selbst keine systematische Zusammenstellung der iranischen Schöpfungssage. Erst in sehr viel späterer Zeit unter der Herrschaft der Sassaniden, wurde die iranische Schöpfungssage in einem Text kompiliert. Dabei handelt es sich um den Dāmdād-Nask („Erschaffung der Geschöpfe“), einem der 21 Nask des sassanidenzeitlichen Avestas. Zwar ist dieses Buch in den Wirren der arabischen Invasion verlorengegangen, doch ist sein Inhalt uns größtenteils noch durch spätere Werke wie dem Bundahišn und den Vizīdagīhā ī Zādspram („Selections of Zād-Spram) überliefert. Diese beiden sich ergänzenden Werke zeigen eine kohärente Abhandlung der iranischen Schöpfungssage und sind damit unsere vorzüglichsten Quellen für die iranische Schöpfungsgeschichte. Weiterlesen

Die drei Helden des Avesta – Garšāsp (3)

Von Bahrâm

Zum dritten Mal fragte Zartōšt:

„Wer hat dich, o Haoma [Hōm], als der dritte Mensch in der mit Körper begabten Welt zubereitet? Welche Heiligkeit wurde ihm dafür zu Teil, welcher Wunsch wurde ihm erfüllt?“ (SPIEGEL F, 1859, S. 71)

Hōm eröffnet ihm:

„Thrita, der nützlichste der Ḉāme [Sāma] hat mich als der dritte Mensch in der mit Körper begabten Welt zubereitet, diese Heiligkeit würde ihm dafür zu Theil: dieser Wunsch ging ihm in Erfüllung:
Dass ihm zwei Söhne geboren wurden: Urvākhshya [Urwaxšya] und Kerečāčpa [Garšāsp] . Der eine – ein Ordner in Bezug auf Herkommen und Gesetz. Der andere mit hoher Wirksamkeit begabt, ein Jüngling, Träger der Keule Gaečus.“
(SPIEGEL F, 1859, S. 71-72)

Der Clan der Sāma ist neben der der ĀѲßya das zweite bedeutende Geschlecht, dass im Avesta Erwähnung findet. Aus dieser Linie gehen drei Figuren hervor, die in jeweils einem Bereich großartige Taten vollbrachten. Weiterlesen

Die drei Helden des Avesta – Fereydūn (2)

Von Bahrâm

Zartōšt fragte anschließend den Hōm:

„Wer hat dich, o Haoma, als der zweite Mensch in der mit Körper begabten Welt zubereitet? Welche Heiligkeit wurde ihm dafür zu Theil? Welcher Wunsch wurde ihm gewährt? “ (SPIEGEL F, 1859, S. 70)

Der Yazd antwortet ihm:

„Àthwya [Ābtīn] hat mich als der zweite Mensch zubereitet in der mit Körper begabten Welt, diese Heiligkeit wurde ihm dafür zu Theil, dieser Wunsch wurde ihm gewährt: Dass ihm ein Sohn geboren werde mit tapferem Clane: Thraetaonô [Fereydūn], welcher die Schlange Dahâka [Dahāk] schlug, welche drei Rachen, drei Köpfe hatte, sechs Augen, tausend Kräfte (…) welche als die kräftigste Druj hervorgebracht hatte Agra-mainyus [Ahriman], hin zu der mit Körpern begabten Welt, zum Verderben für das Reine in der Welt.“ (SPIEGEL F, 1859, S. 70-71) Weiterlesen

Die drei Helden des Avesta – Ĵamšīd (1)

Von Bahrâm

Ĵamšīd 1 , der Sohn des Wiwangahān 2, hat in der iranischen Mythologie eine herausragende Stellung. Im Besitz der besten königlichen Majestät herrschte dieser vor langer Zeit über die siebenteilige Erde im sagenhaften goldenen Zeitalter, in der es weder Tod, Krankheit, Neid, Alter, Dürre oder noch eine andere von den Dīw 3 geschaffene Plage gab.
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Iranische Mythologie II – Gayōmard und die Entstehung der Menschheit

111von Bahrâm

In meinem letzten Artikel behandelte ich das Wesen des Urrindes und seine herausragende Rolle für die Erschaffung der Tiere der guten Schöpfung.

In der iranischen Mythologie stammt auch die Menschheit von einem Urwesen ab, das persönlich vom einzigen Schöpfer Hormazd erschaffen wurde. Dieses Urwesen erleidet das gleiche Schicksal wie Gāve-iektā-āfaride; es wird durch Ahriman grausam aus seinem Leben gerissen. Aus seinem Samen entsteht dann zunächst 50 Jahre später das erste Menschenpaar, Mašyā und Mašyāna und diese alte iranische Geschichte, wird später sehr ähnlich in die nordische Mythologie als Ask und Embla und dann als Adam und Eva in die heiligen Bücher der abrahamitischen Religionen eingehen.

Das menschliche Urwesen bzw. der Urmensch der iranischen Mythologie trägt den Namen Gayōmard, welches die mittelpersische Form des avestischen Namens „Gaya maretan“ ist. Gaya maretan heißt so viel wie „sterbliches Leben“; Gaya bezeichnet hierbei „Leben“ und ist direkt mit dem griechischen Wort „Gaia“ verwandt, maretan bedeutet „sterblich“. Sinngemäß lässt sich Gaya maretan auch als „sterbliches Wesen“ übersetzen, was den Kern der Sache gut trifft. Im Neupersischen wurde dann aus dem Namen Gayōmard „Kiumars“ geformt, so wie es im Ŝāhname von Ferdowsi beschrieben ist. Auch heute ist Kiumars in Iran noch ein sehr beliebter Vorname. Ich werde in diesem Artikel jedoch ausschließlich die mittelpersische Variante Gayōmard benutzen, da diese im Gegensatz zum neupersischen Kiumars noch die avestische Abstammung des Wortes klar erkennen lässt. Weiterlesen

Iranische Mythologie I – Das Ur-Rind der iranischen Mythologie

Gāve-iektā-āfaride_Malerei von Hamid Fâm

Gāve-iektā-āfaride_Malerei von Hamid Fâm

Von: Bahrâm

In den Mythologien vieler Völker existiert das Konzept des Ur-Rindes, welches am Anfang der Welt das erste erschaffene Tier ist. Auch wenn die Vorstellung und das Schicksal des Ur-Rindes in diesen unterschiedlichen Kulturen stark variiert, so verweist das Konzept des Ur-Rindes auf einen verbreiteten alten Rinderkult, der in dieser Form einen starken Wiederhall in den Mythologien dieser Kulturen fand. Weiterlesen

Aufstieg und Niedergang der Arsakiden (1)

Antike Historiker schrieben, dass die iranischen Arsakiden (Parther) einem Stamm der Skythen mit dem Namen Parner (Parni) angehörten und sie lebten im Südosten des Kaspischen Meeres.  Zwischen 250 v. Chr. und 238 v. Chr. eroberten die Parther unter ihrem Anführer Arsakes I einen Teil der iranischen Gebiete des Seleukidenreiches zurück, sie knüpften an die persischen Traditionen des Achämenidenreiches an, das Alexander von Makedonien zerstört hatte. Zur Befreiung Irans führten die Arsakiden Kriege gegen die Seleukiden und die griechische Besatzung im Westen der iranischen Gebiete und im Osten kämpften sie gegen die griechische Besatzung im Griechisch-Baktrischen Reich. Die Turkvölker in Zentralasien, die eine ständige Bedrohung darstellten, versuchten in die iranischen Ostgebiete einzudringen und die Arsakiden mussten an der Ostgrenze Irans schwere Abwehrkriege gegen diese Türken führen und konnten sich aber im Großen und Ganzen ihrer erwehren. An der Westgrenze führten sie später erfolgreiche  Abwehrkriege gegen Rom.  Ihr Militärwesen und der staatliche Aufbau, aber auch die Wirtschaft und Kunst, erlebten einen neuen Höhepunkt und eine neue Blütezeit in der iranischen Geschichte. Die Parther haben damals die ersten Batterien erfunden (parthische Tongefäße). Über die Arsakiden ist oft nicht viel bekannt und die meisten Iraner denken, dass sie unbedeutend waren, obwohl sie für die iranische Geschichte von größter Bedeutung sind. Kaum jemand macht sich heute noch die Mühe sich mit diesem Kapitel iranischer Geschichte zu beschäftigen, aber warum sollte man auch jemanden aufwecken, der gerade so tief und friedlich schläft?

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Ahurâ Mazdâ

Das Tunnelsystem von Derinkuyu, das im Jahr 1963 entdeckt wurde, liegt im Gebiet Kappadokien in der heutigen Türkei. Dieser Zufluchtsort berichtet über das heimliche Leben der Generationen der Menschheit, tief in der Erde vor tausenden von Jahren. Anscheinend hatten diese Menschen große Angst vor einer vernichtenden Macht, die nicht irdisch schien, und bauten auf Befehl einer Person, die vermutlich Ahurâ Mazdâ sein soll, dessen Gefolgschaft, die antiken Zoroastrier waren.

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