Die Angst der Araber vor verbesserten US – Iran Beziehungen

Rohani - Obamaein Kommentar von Ardašir Pârse

Riad – Seit Monaten brauten sich Spannungen zwischen Saudi Arabien, dem wahabitischen, islamistischen Königreich, und den Vereinigten Staaten in Washington zusammen, bevor sie vergangene Woche explodierten.

Zuerst verärgerte die amerikanische Untätigkeit in Syrien und die mangelnden Fortschritte im israelisch-palästinensischen Friedensprozess Amerikas wichtigsten Verbündeten, dann kam Amerikas Rückzug für die Muslimbrüder in Ägypten und jetzt verfolgt Präsident Obama eine sehr öffentliche Annäherung an den Iran, an Saudi Arabiens Erzrivalen.

Die Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden langjährigen Verbündeten sind nun in der Weltöffentlichkeit. Letzte Woche warnte der Leiter des saudischen Geheimdienstes die USA, dass Saudi Arabien die Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten bei bestimmten Themen einstellen würde. Das geschah nur wenige Tage, nachdem Saudi Arabiens Diplomaten fassungslos einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, unter Berufung auf seine Wut über das Versagen der Welt bezüglich der Krise in Syrien zu reagieren, ablehnten.

Dies spiegelt die tiefe Frustration der arabischen Welt der US-amerikanischen Politik gegenüber Syrien, Ägypten und Palästina wieder, und resultiert in einem tiefen Misstrauen und der Angst vor einem möglichen Tauwetter in Amerikas Beziehungen mit Iran.

Die Araber haben aus bitterer Erfahrung gelernt, dass, ganz gleich ob mit Konfrontation oder Kooperation, ganz gleich was Iran, die USA und Israel entscheiden, bei ihnen stets ein Gefühl mit Füßen getreten worden zu sein, hinterlässt.

Amerika wählte in den 1960er und 1970er Jahren die großen Militärmächte Iran und Israel, und zog sie gegenüber ihren arabischen Nachbarn als Regionalpolizei, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, vor. Da die Vereinigten Staaten und Iran nach der Revolution von 1979 zu Erzfeinden wurden, wurden Amerikas militärische Wünsche von nun an im Mittleren Osten im Großen und Ganzen von arabischen Proxys durchgeführt, oft mit großem Aufwand an Blut, Geld und auf Kosten der Stabilität. Libanon, Irak, Afghanistan und Syrien gehören zu den Ländern, die immens unter der US-Politik gelitten haben. Die Förderung von sunnitisch-islamistischen Terrorgruppen, durch Saudi Arabien und den USA, wie Al Qaida, Muslimbrüder und deren Ableger erschütterten von nun an die Region und dann die Welt.

Bis letzte Woche, war es dennoch nur Israel und nicht seine arabischen Nachbarn, das das Tauwetter in den US- iranischen Beziehungen kritisiert hatte, obwohl Israel eine Menge von einem Deal, der die nuklearen Ambitionen Irans beschneidet, profitieren könnte. Aber letztlich wird die Versöhnung zwischen Amerika und Iran einen Kompromiss mit den Arabern, nicht mit den Israelis erfordern.

Die arabischen Mächte fürchten, dass die Verhandlungen zwischen den USA und Iran, wahrscheinlich Israel als die einzige Nuklearmacht in der Region hinterlassen wird, während es seine Ambitionen und seine Siedlungspolitik in Palästina weiterhin ungebrochen fortsetzen wird.

Verbesserte Beziehungen zwischen Iran und den USA könnten Vorteile bieten: eine Aufhebung der westlichen Sanktionen und die widerwillige amerikanische Anerkennung des wachsenden regionalen Einflusses Irans, beginnend in Syrien, Libanon, Bahrain und der gesamten Golfregion. Für Iran auch das eine oder andere Zugeständnis hinsichtlich seiner nuklearen Ambitionen. Die Vereinigten Staaten könnten mit Hilfe Irans Syrien stabilisieren, wie Iran bereits Afghanistan nach dem 11.09.2001 half und sie könnten die fanatische Ausbreitung des wahabitischen Islams aus Saudi Arabien und Katar bremsen. Aber früher oder später, wird das, was wie ein großer diplomatischer Durchbruch schien, in einem Vulkanausbruch enden, denn die iranisch-amerikanische Entspannungspolitik wird sich wahrscheinlich vertiefen und die sektiererischen Spaltungen zwischen Iran und Saudi Arabien vertiefen, eine Bühne für einen flächendeckenden sektiererischen Konflikt wird geschaffen.

Seit seiner Revolution von 1979 hat sich Iran zunehmend militarisiert und religiös radikalisiert. Die Spannungen zwischen Schiiten und Sunniten, die im Iran – Irak-Krieg von 1980 bis 1988 angeheizt wurden, haben sich verschlimmert. Es ist ein alter Konflikt, seit Hossein Ibn Ali vor 13 Jahrhunderten vom Kalifen Yazid in Kerbala, Irak samt seiner Familie getötet wurde.

Wie die saudische Regierung letzte Woche deutlich gemacht hat, wird das sunnitische Regime jede Vereinbarung, die einen wachsenden iranischen Einfluss in ihrem Hinterhof zur Folge hat, untergraben. Diese Polarisation wird Al Qaida und andere von Saudi Arabien finanzierte extremistische sunnitische Gruppen helfen, die iranisch-westliche Annäherung als ein Werkzeug, zur Rekrutierung von sunnitischen Extremisten zu sehen und sie wird den sunnitischen Sektenhass potenzieren. Das geschah bereits in Syrien, in Irak und im Libanon und wird sich fortsetzen. Die theologischen und historischen Wurzeln dieses Konfliktes mögen 13 Jahrhunderte zurückliegen, aber die Gewalt und den Hass, die wir heute erleben, sind politisch motiviert und durch ausländische Intervention verstärkt worden.

Die arabischen Staaten hatten Amerikas Irak-Krieg 2003 abgelehnt, heute wird Irak von einem autoritären Premierminister unter iranischem Einfluss regiert. Sie sehen ungerne den wachsenden Einfluss Irans in der Region, einschließlich der Unterstützung Bashar Al Assads und in der Tat lehnten die syrischen Rebellen und Terrorbanden eine Beteiligung Irans bei den Gesprächen über die Zukunft des Landes ab.

Die Folgen sind möglicherweise verheerend. Die geographischen Trennlinien zwischen Schiiten und Sunniten verlaufen durch die meisten Öl-produzierenden Länder. Der Schaden für die regionale und globale Wirtschaft durch eine Unterbrechung bei der Versorgung mit Öl im Kriegsfalle könnte gewaltig sein.

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6 Gedanken zu „Die Angst der Araber vor verbesserten US – Iran Beziehungen

  1. Eine sehr gute Analyse der Verhältnisse. Die Zeiten stehen in Nahost auf Sturm. Kein islamischer Staat in Nahost, der sich mit den USA einlässt,kann der Politik dieses Landes auf Dauer vertrauen. Das hat der Schah 1979 erlebt. Das erleben jetzt Saudi Arabien und Co. Das wird jetzt die Erfahrung der Araber sein, so wie es die Erfahrung Ägyptens und Libyens war.

    Das Szenario eines flächendeckenden Krieges in der Region wird selbstverständlich weltweite Auswirkungen haben. Der Westen und der Osten aus Zeiten des kalten Krieges haben ganz Nahost völlig ohne Not und im Wissen um die islamischen Hassgrenzen des Sunnitentums und des Schiitentums aufgerüstet und führten sie so, wenn die Lunte angezündet wird, in einen Stellvertreterkrieg,wie zurzeit in Syrien so anschaulich verdeutlicht wird. Russland hat letztlich die Schiiten, USA und der übrige Westen die Sunniten aufgerüstet, als ob ein Krieg in dieser Region gewollt wäre. Nun liegt aber die Verantwortung nicht bei den USA, nicht bei Russland, sondern es muss jetzt die Zeit anbrechen, dass sowohl die Nahostländer als auch die Nordafrikaländer endlich einmal Verantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen.

    Da Islam nicht nur Religion, sondern auch gleichzeit politisches Handeln und militärisches Kalkül beinhaltet, so tragen sowohl der schiitische als auch der sunnitische Islam in den Personen der diese Länder regierenden Mullahs, Königen und anderen islamischen Politikern Eigenverantwortung für ihr Handeln, auch für die Frage, welche ausländischen Gönner und Förderer sie sich aussuchen oder die jeweilige politische Lage ihnen aufoktroyiert. Für den Irakkrieg müssten die Schiiten diesem Herrn Bush im Grunde die Füße küssen. Wie der werte Blogbetreiber zu Recht schreibt, hat Iran nach diesem Krieg seinen Einfluss in Irak erhöhen können, während sie unter Saddam maßlos unterdrückt wurden. Öl, wie viele den USA unterstellt hatten, ist wohl kaum mehr in die USA geflossen von Irak aus. Die Folge dieses Krieges: erhöhter Terrorismus, Niedergang des Christentums, zunehmende Spaltung des Landes. Die Einheit des Irak ist auf Dauer nicht mehr gewährleistet, genau das Szenario, welches sich in Syrien in ähnlicher Weise abspielen könnte. Einen Partisanenkrieg, der jetzt durch die USA, Saudi Arabien und Co., die die sunnitischen Terrorkräfte unterstützen, finanziert wird, kann keine Regierung, auch Assad nicht gewinnen, so dass dieses Land im bleibenden Chaos versinken wird. Irakische Zustände haben sich bereits jetzt etabliert. Immer neue Wunden reißen aus. Noch ist Syrien im Kriegszustand. Wenn dieser Krieg vorbei sein sollte, irgendwann, was ich persönlich nicht glaube, dass diese Beendigung des Krieges sobald eintreten wird, wird dieses Land ebenfalls geteilt werden, ebenfalls „irakisiert“ werden und nie wieder Frieden finden, der vor Ausbruch dieses Krieges durchaus intern in relativer Weise vorhanden war.

    Und genau das Szenario ist im gesamten Nahen Osten möglich und führt, durch den 1300 Jahre andauerenden Hass des Muslime untereinander zu dieser für die Welt bedrohlichen Lage.

    Der Westen hat eine unrühmliche Rolle gespielt in Nahost und spielt sie noch immer, weil der Westen nie die echten Menschnenrechte als sein politische Leithandeln bestimmt, sondern der Profit. Das ist eine Politik der Wankelmütigkeit, der kurzsichtigen momentaren Politinteressenlagen und des unmoralischen Manipulierens von Staaten. Das wird dem Westen zum Verhängnis auf Dauer. Das Image der USA sinkt von Tag zu Tag mehr, insbesondere im Nahen Osten.

    Der einzige Grundpfeiler der US-Politik, der bislang noch nicht einmal unter Obama gewankt ist, scheint die Aufrechterhaltung Israels in der Gegend zu sein.

    Ich bin kein Prophet, aber es ist an 5 Fingern abzuzählen, dass dieses Herumgeeiere im Nahen Osten eine Kriegsexplosion zur Folge haben könnte, der sich zu einem Flächenbrand auswirken und sich bis nach Europa hinein ausbreiten könnte.

    Danke für die wertvolle Analyse.

  2. Sollten die Saudis/Pakistan (die meisten Saudis sind ja faul und vollgefressen und 1/3 haben Diabetes und deshalb keine guten Soldaten)mit 50000 Mann in Syrien einmarschieren wird der Iran noch mehr schicken und Syrien wird aussehen wie Berlin 1945 und wer weiss wie es weitergehen wird.Es sieht mal wieder sehr schlecht für die Welt aus.

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