Die Akte Katar – Hintergründe und Hintermänner des radikalen Islam (2)

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Diese Artikelreihe wurde ins Spanische übersetzt

1. Teil der Artikelreihe

Doha الدوحة – Katar war der einzige Persischer Golf Staat, der nicht mit Besorgnis die Veränderungen, die die arabische Welt ab 2011 durch den sog. Arabischen Frühling erleiden musste, durchlitten hat. Saudi-Arabien war damals erschüttert und aufgewühlt darüber, wie schnell Washington seinen jahrzehntelangen Verbündeten in Ägypten, Hosni Mubarak fallen ließ. Bahrain wurde erschüttert, als seine die Mehrheit bildende schiitische Bevölkerung auf die Straße ging, um größeren politischen Einfluss zu fordern. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hatten sich mit Katar  bei der Unterstützung der NATO Luftangriffe auf Libyen verbündet, sie waren aber beim Aufstieg der Muslimbruderschaft bei sich zu Hause und in Ägypten deutlich zurückhaltender als Katar, aus Angst vor der islamistischen Gruppe, die deren Sympathisanten in der eigenen Bevölkerung stärken würden.

Bildquelle: translationservicesplus.com Doha

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Doha

Machtprojektion durch Stellvertreter

Katar wettete mittlerweile, dass der politische Islam das nächste große Ding sei, das sich für sie auszahlen würde. „Katar glaubt an zwei Dinge: Erstens will Doha nicht die Saudis als Haupt- oder einzigen Spieler in der sunnitischen Region des Nahen Ostens sehen“, sagt der kuwaitische Politikwissenschaftler Abdullah al-Shayji. „Zweitens, will Katar eine Rolle als Großmacht in der Region spielen.“ Doch hier hat Katar es noch mit einem anderen mächtigen Gegenspieler in der Region zu tun: Iran.

Katar hat noch nicht seine großen Ambitionen erreicht, seiner Außenpolitik eine Schlüsselrolle zukommen zu lassen. Das Land ist die Heimat von knapp 300.000 Bürgern, in der sich die Entscheidungen der Regierung in den Händen von nur wenigen Beamten konzentrieren. Ohne eigene außenpolitische Infrastruktur, suchte Katar Verbündete, um die Arbeit seiner Netzwerke durch Bruderschaft und Salafisten zu stärken.

Die Kataris arbeiten in der Regel mit identifizierten Personen, die ideologisch auf der gleichen Wellenlänge stehen. Es gibt wohl keine Überprüfungsprozesse an sich, denn Menschen, aus dem Kreis der radikalislamischen Salafisten und Muslimbrüder vertraut man, auch auf Grund der Nähe zum sehr ursprünglichen, korangetreuen radikalen Islam.

Der erste Test auf dem Schlachtfeld der Katar Proxy-Ketten Organisation war in Libyen, wo es einen breiten regionalen Konsens gab – inkl. der Unterstützung der USA –, den damaligen Staatschef Muammar al-Gaddafi zu stürzen. Katar hatte zusammen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, den westlichen Luftangriffen gegen das Regime zugestimmt und unterzeichnet. Aber Doha wollte auch Hilfe beim Aufbau von Rebellen-Kapazitäten auf dem Boden und machte sich auf die Suche.

„Sie mussten buchstäblich nur in ihrem Adressbuch blättern und sagen, wen kennen wir in Libyen? So koordinierten sie den Libyeneinsatz, mit Rückendeckung der USA, Frankreich und der EU. Doha stellte eine Reihe von Geschäftsleuten zusammen, alte Freunde aus der Bruderschaft und ideologisch gleich ausgerichtet und stattete sie mit zig Millionen von Dollar und 20.000 Tonnen Waffen aus“, berichtete das Wall Street Journal später in einem Artikel. Nach monatelangen Krieg nahmen die islamistischen Rebellen Tripolis im Schutze der Bombardements der NATO ein und Gaddafi wurde ermordet. Dohas Freunde und Kunden fanden sich dann unter den mächtigsten politischen Brokern im neuen Libyen. Und lange, nachdem die NATO Luftangriffe beendet waren, hatten einige von Katar angeheuerte Milizen weiterhin Unterstützung erhalten, das Land kam bis heute nicht zur Ruhe und ist in einem endlosen Krieg der MIlizen eingebunden.

Der Arabische Frühling wurde nur zur Destabilisierung und Re-Islamisierung der islamischen Welt, im Interesse westlicher und sunnitisch radikalislamischer Staaten durchgeführt. Nur dem ägyptischen Militär gelang es durch Putsch, unter Protest der USA unter Berufung auf eine angeblich demokratisch gewählte Regierung aus der Muslimbruderschaft, diese Entwicklung zu verhindern. Die USA und Katar hatten Milliarden von Dollar nach Ägypten, zur Unterstützung der Muslimbruderschaft und zur Unterdrückung demokratischer Strömungen, geschickt – eine klare Manipulation von Wahlergebnissen durch Einflussnahme mittels finanzieller Mittel in die inneren Angelegenheiten eines Landes, im Deckmantel westlicher Demokratie. In Syrien konnte der Arabische Frühling und die damit verbundene Destabilisierung und Re-Islamisierung durch radikale Kräfte, nur durch Intervention Irans und der Hisbollah wenigstens teilweise verhindert werden.

Inmitten der anfänglichen Euphorie des Arabischen Frühlings, erwarteten viele im Sommer Proteste in Syrien, um schnell das Assad-Regime zu stürzen. Die Präsidenten in Tunesien und Ägypten hatten nur wenige Wochen Regierungszeit vor ihrem Rücktritt, und eine kriminelle Welt hatte sich schnell versammelt, um einen länger ausharrenden Gaddafi zu stürzen. Im darauffolgenden August forderte Washington Assad zum Rücktritt auf. Nicht lange danach, begann Katar ihre syrische Operation, auf dem libyschen Abenteuer modelliert.

Flucht vor dem Islamischen Staat

Flucht vor dem Islamischen Staat

Wie bei einer Ausschreibung, rief Doha in einem Aufruf die Anbieter ihrer Terrordienste auf, beim Sturz des Regimes zu helfen. Und so wurden verschiedene Brigaden mit Zuwendungen in Form von Geld und Waffen aus Katar bedacht, um Syrien ins Chaos zu stürzen und Bashar Al Assad zu entmachten. Zeitgleich verbreitete die Weltpresse eine Anti-Assad Kampagne, die seinesgleichen sucht, vollgepfropft mit Lügen und als auch dies nicht mehr ausreichte, kam es zum False-Flag-Attack der aus Katar geschickten Rebellen durch ihren Einsatz von Giftgas. Der amerikanische Kongress hatte Waffenlieferungen an die Terroristen genehmigt, die über die Türkei die verschiedenen Rebellengruppen erreichten. Russland und Iran war es zu verdanken, dass es nicht auch noch in Syrien zu weiteren völkerrechtswidrigen Luftschlägen westlicher Staaten gegen Bashar Al Assad kam.

Katars Freunde im Ausland halfen fleißig mit. Überall in 2012 und Anfang 2013, halfen sie, Salafisten in Kuwait gemeinsam mit syrischen Terrorbanden aufzubauen, zu finanzieren, und extremistische Brigaden zu versorgen, Gruppen eben, wie die al-Nusra Front und seinem engen Verbündeten, Ahrar al-Sham.

Durch den Einsatz sozialer Medien, für ihre Sache zu werben und einer umfassenden Rolodex der kuwaitischen Geschäftskontakte, Geistliche und andere prominente kuwaitische Sunniten angeschoben, flossen hunderte von Millionen Dollar an extremistische, militante Banden und Organisationen. Sie waren im Wesentlichen in der Lage, ungehindert durch Kuweits lasche Anti-Terror- und Finanz-Gesetze und ihren Freiheiten in Vereinigung und Rede zu arbeiten.

Hajjaj al-Ajmi

Hajjaj al-Ajmi

Ein solcher Spender war nach Ermittlungen von Foreign Politics, der junge kuwaitische Salafi Geistliche Hajjaj al-Ajmi, der am 6. August vom US-Finanzministerium als Geldgeber des Terrorismus für die Sicherung der al-Nusra Front bezeichnet wurde. Ajmi betreibt die sog. Volkskommission für die Unterstützung der syrischen Revolution, von denen viele Wahlplakate auf Twitter von Wohltätigkeitsarbeit sprachen, mit Nahrung oder Medizin für die Bedürftigen und Vertriebenen. Aber zurück in den Juni 2012, damals lud Katars Ministerium für Stiftungen und islamische Angelegenheiten den Geistlichen in die Küstenstadt Al Khor, 30 Meilen außerhalb von Doha zu einer Rede ein, wo er argumentierte, dass die humanitäre Hilfe allein nie das syrische Regime stürzen würde. Die Priorität liege in der Unterstützung der Dschihadisten und sie zu bewaffnen. Man ging davon aus, dass der Niedergang von Damaskus nicht mehr als 10 Mio. USD kosten würde, berichtete Foreign Policy in seiner Recherche.

rechts im Bild Mubarak al-AjjiIn den folgenden Monaten sind viele der Kampagnen von Ajmi in Kuwait parallel zu jenen in Katar gelaufen. Spenden wurden über einen Mittelsmann, namens Mubarak al-Ajji, unter Ajmis Aufsicht verteilt. Ajji beschreibt Ajami auf Twitter als liebenden sunnitischen Dschihadisten, der Schiiten und Ungläubige hasst. Er ist voller Lob für Osama bin Laden.

Bildquelle: imdb.com Osama bin Laden

Bildquelle: imdb.com
Osama bin Laden

Einer von Ajamis kuwaitischen Kollegen, ein Kleriker namens Mohammad al-Owaihan, benutzte auch Katar als Basis und nannte es seine „zweite Heimat“ in einem Tweet im August 2014. Erst im April erbat Owaihan Hilfe von Katar zur Vorbereitung von Kämpfern für den Kampf an der syrischen Küste. „Unser Jihad ist ein Jihad des Geldes in Syrien“, ist auf einem Plakat zu lesen, mit Kontaktnummern in Kuwait und Katar.

Diese Fundraising-Bemühungen waren verfeinerte Appelle, zum Beispiel, indem Spender in spezielle Kategorien für Spenden in unterschiedlichen Größenordnungen eingeordnet wurden. Ein Gold-Spende waren z.B. 10.000 Katar Rial (2.750 USD), während eine Silber-Spende bei 5.000 Katar Rial lag. Wenn besonders großzügige Spenden kamen, berichteten Ajji und andere darüber auf Twitter.

Alle diese Fundraising-Aktivitäten wurden von Einzelpersonen orchestriert – nicht von der Regierung – wie Katar in seiner Verteidigung in den letzten Wochen festgestellt hat. Aber das ist auch genau der Punkt: Unter Berufung auf Zwischenhändler und Mittelsmänner, hat Doha nicht nur die schmutzige Arbeit ausgelagert, sondern auch die Haftung dafür von sich gewiesen. Und selbst dort, wo Doha nicht direkt beteiligt war, fühlt sich Doha nicht verantwortlich dafür, was in seinem Netzwerk vor sich geht.

Mohammad al-Arefe

Mohammad al-Arefe

Viele Kleriker in der Salafistenbewegung haben, wie Ajmi, sich zu ihrer Unterstützung von radikalen Gruppen wie al-Nusra Front in Syrien ausgesprochen – Ansichten, die ein willkommenes Publikum unter der von der Regierung unterstützten Organisationen in Doha gefunden haben. Saudi-Kleriker Mohammad al-Arefe, der für die Bewaffnung von Dschihadisten in Syrien und Palästina genannt wurde, wurde von Katars Ministerium für Stiftungen und islamischen Schutz im März 2012 und Januar 2014 aufgefordert, eine Freitagspredigt und einen Vortrag an der großen Moschee in Katar zu halten. Der kuwaitische Salafist Nabil al-Awadhy – ein bekannter Spender für terroristische Gruppen in der Nähe der al-Nusra Front – war als ein besonderer Dozent in Katar an einem Ramadan-Festival am 4. Juli 2014 von einer Wohltätigkeitsorganisation, die eng mit der Regierung verbunden ist, eingeladen und konnte dort ungehindert seine Hassreden verbreiten.

Fortsetzung 3. Teil der Artikelreihe

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4 Gedanken zu „Die Akte Katar – Hintergründe und Hintermänner des radikalen Islam (2)

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