US-amerikanische Geopolitik im Visier (3)

Bildquelle: gamersglobal.de

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Diese Artikelreihe wurde ins Spanische übersetzt

Teil 1 der Artikelreihe

Teil 2 der Artikelreihe

Bekannt gewordene verdeckte Operationen, Terroranschläge, Unterstützung extremistischer Bewegungen, Angriffskriege, Regierungsumstürze durch US-Regierungen von 1978 – 1979

1979 Schauplatz Iran: Die Islamische Revolution in Iran

Bildquelle: Wikipedia Teilnehmer in Guadelupe

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Teilnehmer in Guadelupe

Wer waren die Protagonisten und Hintermänner der 1978ger Verschwörung gegen Iran? Warum hatte die UN keine Beachtung dem teuflischen Plan der Konferenz von Guadeloupe geschenkt, indem es vor allem darum ging, ob man den Schah weiter unterstützt oder ob Ayatollah Khomeini und die Islamisten vorteilhafter für den Westen wären? Die Konferenz wurde als informelles Treffen nach dem G7-Gipfel in Bonn von 1978 und zur Vorbereitung des G7-Gipfels in Tokio im Juli 1979 deklariert, um Fragen der internationalen Sicherheit und der Sicherung der Energieversorgung zu diskutieren. Mir Ali Asghar Montazam fasste die Ergebnisse der Konferenz in seinem Buch The Life and the Times of Ayatollah Khomeini wie folgt zusammen:

„Die Konferenz von Guadeloupe […] war die willkommene Gelegenheit für Carter, sich mit den drei wichtigsten europäischen Politikern darüber einig zu werden, den Schah fallen zu lassen […] alles, was die Alliierten benötigten, war iranisches Öl und Stabilität in der Region […] Als General Robert Huyser ohne weitere Ankündigung in spezieller Mission in Teheran eintraf, repräsentierte er die gesamte westliche Allianz, nicht nur die USA. Die Kommandeure der iranischen Streitkräfte stimmten ihrem Verbleib in Iran trotz des Exils des Schahs erst zu, als Huyser ihnen die Gesprächsprotokolle der Konferenz von Guadeloupe zeigte.“ Aber zeigte er der iranischen Generalität wirklich alles? Warum hatte Kurt Waldheim, der damalige UN-Generalsekretär diesen Plan verschwiegen? Warum verließen die japanischen und kanadischen Premierminister aus Protest die Sitzung in Guadeloupe, deren Gastgeber Frankreich war. Zu dieser Sitzung waren natürlich auch die USA, Großbritannien und Deutschland eingeladen. US-Präsident Jimmy Carter hatte mit seiner Entscheidung, den Schah nicht weiter zu unterstützen, die in Guadeloupe versammelten Staatschefs vor vollendete Tatsachen gestellt. Der französische Präsident Valéry Giscard d’Estaing war zu der Konferenz mit einer völlig anderen Einschätzung als Präsident Carter angereist, die USA hatten entschieden, den islamistischen Mullahs zum Sieg zu verhelfen. Eine militärische Intervention zur Erzielung der Absichten des Westens kam nicht in Frage, denn der sowjetisch-iranische Freundschaftsvertrag von 1921 räumte der Sowjetunion das Recht zu einer bewaffneten Intervention für den Fall ein, dass dritte Mächte intervenierten. Dobrynin machte damals deutlich, dass für die Sowjetunion der Iran als ein Nachbarland gelte. Aus diesem Grund habe die Sowjetunion ein besonderes Interesse an der Entwicklung in Iran. Ein militärisches Eingreifen des Westens in Iran hätte ernste Konsequenzen bis hin zu einer militärischen Intervention der Sowjetunion nach sich gezogen.

Im Jahr 1960, als Mohammad Rezâ Šâh Pahlavi den Gründungsstein der Reformen in Iran unter der „Weißen Revolution“ [Enqelâbe Šâho Mellat] gelegt hatte, um das Land zu entwickeln, und maßgeblich an der Gründung der OPEC beteiligt war, um mit anderen erdölproduzierenden Ländern angemessene Preise für den Export des Rohstoffes zu erzielen, um mit dem Erlös Iran zu industrialisieren, veranstaltete der alte Feind England, zeitgleich in Cambridge ein Meeting einer Kommission, bestehend aus Lehrprofessoren der Universitäten Cambridge und Oxford, die alle Experten des Mittleren Ostens, besonders des Iran waren. Das Ziel dieser Kommission war es, Wege zu finden zu verhindern, dass Iran und die Dritte Welt im Allgemeinen sich zu konkurrierenden Industriestaaten entwickeln.

Obwohl dieser Plan ein geheimes Projekt war, wurde dieser Plan von Newsweek in den USA enthüllt und schon damals veröffentlicht, und bis heute sind wir Zeugen, wie jeder Punkt, einer nach dem anderen umgesetzt wird – auch der Plan für Europa. Somit war die Verschwörung von 1978 und der Aufstieg Khomeinis in Iran einer dieser Punkte. In Guadeloupe im Jahr 1979 beschlossen die Briten und die USA mit der Beteiligung Frankreichs und Deutschland den Kontakt zu Khomeini in Nadschaf / Irak, aufzunehmen und ihn von dort nach Paris zu bringen. Über diese Kontaktaufnahme berichtete schon das amerikanische Magazin Executive.

Hier sind einige wenige Passagen aus den Ausgaben vom 13. und 19. November 1979: „[…] Die Ereignisse der letzten Woche, in der Iran die Welt in Angst und Bange hielt [am 4. November 1979 wurde die US-amerikanische Botschaft in Iran von den muslimischen Studenten, den Jüngern Khomeinis besetzt], waren nicht das Handwerk von ein paar unkontrollierten Mullahs, Studenten und hysterischer Bevölkerung, sondern das Handwerk der Muslimbruderschaft, die heute Khomeini und seinen Revolutionsrat kontrolliert. Die Muslimbruderschaft ist selbst eine Marionette in den Händen des englischen SIS (MI6) und dem amerikanischen CIA. All das wurde durch Brzeziński und Cyrus Vance überwacht.“ Newsweek hatte Dokumente und Beweise, die sehr glaubwürdig waren und die Enthüllung untermauerten. Weiter wurde berichtet, dass in der Konferenz in Guadeloupe der japanische und kanadische Premierminister die Sitzung sofort verlassen hatten, nachdem sie von einer Verschwörung gegen den Schah und allen anderen Länder der Dritten Welt erfahren hatten. Sie waren diejenigen, die sich nicht an dieser schändlichen Verschwörung beteiligten, und das werden wir Iraner ihnen nie vergessen.

Die politische Demontierung Mohammad Reza Schah Pahlavi

Was war im Vorfeld von Guadeloupe in den USA geschehen? Der Wirtschaftsjournalist F. William Engdahl berichtet in seinem Buch A Century Of War „[…] Im November 1978 ernannte Präsident Carter seinen Kollegen in der Trilateralen Kommission, George Ball, der schon die Bilderberg-Gruppe ins Leben gerufen hatte, zum Leiter einer eigenartigen Sonderkommission. Es handelte sich um eine „Arbeitsgruppe Iran“ im Weißen Haus. Sie arbeitete eng mit Sicherheitsberater Brzeziński zusammen. Ball empfahl den Schah in Iran fallen zu lassen und eine fundamentalistische islamische Opposition, die sich um Ayatollah Khomeini geschart hatte, zu unterstützen […]“ Der Sturz des Schahs war nur ein kurzer Moment mit weitreichenden Folgen für die Iraner, in einem breit angelegten Plan zur Neugestaltung des Nahen Ostens, dem Bernard-Lewis-Plan. Engdahl berichtet weiter:„[…] Lewis bekam damals gerade einen Lehrauftrag an der Princeton-Universität in den USA. Sein Plan lag der Bilderberg-Gruppe bei ihrem Treffen im Mai 1979 in Österreich vor. Danach wollte man den islamischen Fundamentalismus und seine radikalen Bruderschaften dazu benutzen, um den gesamten islamischen Nahen Osten, den arabischen Halbmond, zu balkanisieren und in stammesmäßig und religiös aufgesplitterte Kleineinheiten zersprengen. […]“ Iran sollte ein Teil des künstlich geschaffenen Krisenbogens sein und Lewis glaubte, dass die so erzeugte Destabilisierung auch die islamischen Gebiete in der UdSSR erfassen wird. Die Beseitigung des Schahs leiteten amerikanische und britische Geheimdienste, dessen Kopf Zbigniew Brzeziński war, während die Briten die Propaganda Khomeinis über BBC auf Persisch im iranischen Staatsgebiet ausstrahlten. Das skrupellose Vorgehen der amerikanischen Berater in Iran war unglaublich. F. William Engdahl schreibt: „[…] Amerikanische Berater trieben die gefürchtete SAWAK, die Geheimpolizei des Schahs, bei wachsender Unruhe und steigenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu einem immer brutaleren, provokativeren Vorgehen an. Das sollte im Volk ein Höchstmaß an Hass gegen den Schah schüren. Und prompt beschwerte sich die Regierung Carter über die „Verletzung der Menschenrechte“ in Iran. Dabei wussten Brzeziński und die CIA sehr genau, was da gespielt wurde […]“ Ayatollah Khomeini wurde zum Propagandainstrument

Bildquelle: Wikipedia Khomeini am Mehrabad Airport

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Khomeini am Mehrabad Airport

und Regierungsvertretern des Schahs verweigerte man jedes Recht der Gegendarstellung, während die BBC weiter ihre Hetzkampagnen und Lügen bis in den letzten Winkel des Landes ausstrahlte. Die SPD und die Linken in Deutschland begrüßten damals Khomeinis Machtantritt, ungeachtet des Blutbades gegen politische Gegner und Andersdenkende. Kurz vor seinem Tod sagte der Schah in einem Interview: „Damals wusste ich es nicht oder wollte es vielleicht auch nicht wissen, aber jetzt ist es mir klar: Es waren die Amerikaner, die mich weg haben wollten. Es besteht gar kein Zweifel mehr, das war es, was die Advokaten der Menschenrechte im State Department wollten […] Was sollte ich von der plötzlichen Entscheidung halten, den früheren Staatssekretär im Außenministerium George Ball als Sonderbeauftragter für Iran-Angelegenheiten ins Weiße Haus zu holen? Ball gehörte zu jenen jungen Amerikanern, die mich und mein Land loswerden wollten.“

Noch im Januar 1979, bevor Šâh Mohammed Rezâ Pahlavi das Land verließ, reiste der stellvertretende Befehlshaber der US-Streitkräfte in Europa, General Huyser nach Teheran. Er hatte jedoch nicht um eine Audienz beim Schah ersucht, was führte ihn dann nach Teheran? Als seine Anwesenheit bekannt wurde, meldete die New York Herold Tribune: „General Huyser befindet sich in Teheran, um einen militärischen Staatsstreich zu verhindern.“ Schließlich, begleitet vom Botschafter Sullivan, sprach General Huyser dann doch noch beim Schah vor – und beide waren ausschließlich an der Frage interessiert, an welchem Tag und zu welcher Stunde der Schah abreisen würde. Am 11. Januar 1979 wurde dann im Rahmen einer Pressekonferenz von Herrn Cyrus Vance, dem amerikanischen Außenminister, aus Washington und nicht aus Teheran, die Abreise des Schahs bekanntgegeben. In einem Interview vom September 1979 in Panama erinnerte sich Mohammad Rezâ Šâh zurück: „Im Laufe des Herbstes 1978 empfing ich den neuen Repräsentanten der CIA in Teheran. Die Belanglosigkeit seiner Konversation überraschte mich. Als wir aber über die Liberalisierung sprachen, huschte ein Lächeln über sein Gesicht. Das war es also, was ihn beschäftigte, darüber also sollte er mit mir sprechen. Was ihn beschäftigte, war nicht die Sicherheit, sondern es war die Liberalisierung.“ Als die Aufständischen 1978/79 die englische Botschaft in Brand gesteckt hatten, erwiderte der britische Militärattaché einem General des Schahs: „Sie haben immer noch nicht verstanden, dass die Lösung nur eine politische sein kann!“ „[…] Heute kann ich sagen, dass ich zu dem Zeitpunkt, wo ich Herrn Bachtiar [Baxtiyâr] empfing, bereits seit Wochen das Gefühl hatte, dass das Spiel in vollem Gang war, und dass die Karten gezinkt waren“, berichtet der Schah in dem Interview weiter. Ebenfalls berichtete der Senator Mohammed Ali Massoudi über eine vertrauliche Mitteilung im Jahre 1978, von Herrn Georges Lambrakis, dem 1st Secretary der US-Botschaft: „Bald wird es im Iran eine neue Regierung geben.“

Am 24. Januar 1979 verkündete dann Mehdi Bazargan [Mehdi Bâzargân]: „Die islamische Republik, die wir proklamieren, gleicht weder der libyschen noch der saudischen, sondern ganz und gar der islamischen Regierung, die während der ersten zehn Jahre des Kalifats von Ali bestand.“ Diese Republik wurde dann am 2. April 1979 ausgerufen.

Bildquelle: wikipedia Shah Mohammad Reza Pahlavi

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Schah Mohammad Reza Pahlavi

“1907, 1945 und 1978 sind die tragischen Daten unserer neueren Geschichte. Heute kann ich frei und ehrlich gestehen, dass ohne Zweifel mein Hauptfehler war, dass ich ein altes Volk im Eilschritt der Unabhängigkeit und dem Wohlstand, der Kultur und dem Komfort zuführen wollte, kurz: der modernen Zivilisation. Ich wollte, solange wir noch über Erdöl verfügen, Iran aufbauen, um ihm auch nach dem Versiegen der Ölquellen einen gehobenen Lebensstandard zu garantieren. Das war mein Ziel und ich musste mich beeilen, denn mir blieb nur wenig Zeit. Unbestreitbar hat die Erdöl-Lobby auf meinen Untergang hingearbeitet. Diese Lobby hat es nicht verkraftet, dass sie sich von mir die Politik des angemessenen Rohölpreises diktieren lassen musste. Überdies weigerten sie sich, die mit der Neuverteilung der Reichtümer auf Industrie – und Entwicklungsländer zwangsläufig verbundenen Opfer auf sich zu nehmen. Die Erdölgesellschaften waren und sind die entschlossensten Gegner einer Entente von Nord und Süd. Aus diesem Grunde wählten sie auch Iran zum Sündenbock und nicht Libyen oder irgendein anderes Erdöl- produzierendes Land.“ Bereits 1976 verkündeten zwei amerikanische Persönlichkeiten aus dem Erdölgeschäft, dass der Schah in zwei Jahren erledigt sei und bemerkten “We have to keep the Arabs rich and the Persians poor” „Allerdings ließen sie dabei außer Acht, dass dabei auch die Wirtschaft der Importeure betroffen sein würde“, erklärte der Schah 1979 während seiner Odyssee in Mexiko. Neun Monate sind vergangen seit ich Iran verlassen habe […] Jeden Tag waren Nachrichten über Morde, Blutvergießen und Massenhinrichtungen eingetroffen und kein Wort des Protests von Seiten der amerikanischen Menschenrechtler, die zu allem bereit waren, als es darum ging, mein ‚tyrannisches’ Regime anzuprangern. Es ist eine recht trübe Erfahrung, dass die Vereinigten Staaten und überhaupt die meisten westlichen Länder einen doppelten moralischen Maßstab für internationale Beziehungen anlegen. […] Ich weigerte mich damals den Westen zu kritisieren und tue es heute nur mit großer Zurückhaltung. Jedoch frage ich mich, ob es jemals ein anderes Ziel in der Politik des Westens gegenüber dem Iran gegeben hatte, als das, mich und unser Land zu vernichten. Die Hand der Briten hatte während des größten Teils dieses Jahrhunderts schwer auf dem Land gelastet. Das änderte sich auch nicht nach dem Einmarsch der Amerikaner. Der Westen hatte meine Regierung immer nur dann unterstützt, wenn er auch genügend Kontrolle über sie ausüben konnte.“

Tatsächlich verkündete Anthony Parsons, damals britischer Vertreter der Vereinten Nationen in Teheran: „Lassen wir diese Leute vor die Volksversammlung treten und lassen wir sie ihre Revolution erklären.“ Er bezog sich auf die Mitglieder des Revolutionsrates, die in den letzten Monaten unzählige unschuldige Menschen hingerichtet hatten. Der gleiche Parsons trat im Herbst 1978, als der Schah freie Wahlen proklamiert hatte, an ihn heran und sagte, „dass der Schah, wenn er die Wahl und seinen Thron verliere, in die Geschichte als ein Herrscher eingehen würde, der seinen demokratischen Idealen treu geblieben war.“ Dieses Verhalten ist ein klassisches Beispiel für die Doppelzüngigkeit des Westens: Als Verbündeter sollte der Schah sich dem westlichen Ideal von Demokratie verpflichten, ungeachtet seiner Unbrauchbarkeit in einem Land wie dem Iran. Aber die so genannte „Islamische Republik“, die alle Ideale des Westens zu einer Farce macht, wurde herzlich vor das Forum der Vereinten Nationen geladen.

Die internationalen Ölgesellschaften waren lange meine Gegner gewesen. Ihren Ärger rief ich von neuem hervor, als ich mit Enrico Mattei in Italien über einen Vertrag verhandelte. Er hatte die italienische Ölgesellschaft Ente Nazionale Idrocarburi (ENI) zu einem größeren, unabhängigen Rivalen der internationalen Giganten entwickelt. Unser Vertrag bezog sich an und für sich nicht auf riesige Mengen, aber seine Bedingungen waren bedeutsam. Statt die Gewinne wie früher zur Hälfte aufzuteilen, war Mattei bereit lediglich 25% für sich zu nehmen, während Iran 75% bekam. Wenig später traf ich das gleiche Arrangement mit Standard Oil in Indiana USA. Das halbe-halbe Prinzip war durchbrochen. Das Große Öl Kartell verzieh mir das nie. 1959, zwei Jahre nach dem ENI-Vertrag wurden die ersten Studenten-Demonstrationen gegen mich überall in den USA und in Europa in Szene gesetzt. Ich hatte schon damals den Verdacht, dass die Ölindustrie die Demonstrationen organisierte und finanzierte, und dass die CIA bei ihrer Organisation die Hände mit im Spiel hatte. Ich weiß, das klingt widersprüchlich. Denn diese beiden mächtigen Organisationen hatten auch meine Regierung unterstützt. Jetzt glaube ich, dass der Westen eine Front gegen mich organisierte, derer er sich immer dann bedienen konnte, wenn meine Politik von der ihren abwich. Ich hätte dies auch schon 20 Jahre früher glauben sollen, als mir mein Premierminister, Sharif Emami [Šarif Emâmi], mitteilte, dass die USA hinter der studentischen Agitation in Iran und außerhalb steckten, und dass sie noch auf andere Weise für Schwierigkeiten sorgten“, schrieb der Schah in seinen Texten kurz vor seinem Tod.

Für genau 15 Jahre verstummte tatsächlich die Propagandamaschine gegen den Schah und indessen lebte sie in voller Stärke wieder auf, nach der Ölkrise 1973 und nach der Entscheidung des Schahs den Ölpreis anzuheben. Die Zerstörung einer ganzen Nation hatte man systematisch geplant und durchgeführt. Die großen Ölkartelle und die westliche Foltergemeinschaft hatten über das Schicksal einer ganzen Nation entschieden, die gesamte bürgerliche Führungskraft eliminiert und in einen endlosen Krieg eingebunden. Für ein viertel Jahrhundert verstummte die Propagandamaschinerie des Westens und lebte dann mit dem iranischen Atomprogramm als Vorwand für eine erneute Destabilisierung, erneut auf.

Weitere Destabilisierung Irans durch die USA und Israel

Und die Destabilisierung Irans durch die USA und der westlichen Foltergemeinschaft ging weiter: Am 13.01.2012 berichtete das US-Magazin Foreign Policy, dass die iranischen Vorwürfe, dass Terrorgruppen wie Jundallah [جندالله] in Iran ausländischen Support erhalten, um das Land zu destabilisieren, sich bewahrheitet haben. Der US-Journalist und Pulitzer-Preisträger Seymour Hersh berichtete im Juli 2008 über die Bewilligung eines 400 Millionen US-Dollar schweren Postens durch den US-Kongress, der für die Unterstützung anti-iranischer Gruppierungen vorgesehen war. Hersh berichtete, dass die Jundallah einer dieser Terrorgruppen war, die US-amerikanische Unterstützung erhielten. Gemäß dem Bernard-Lewis-Plan wollte man weiter Chaos stiften, um die iranische Regierung dazu zu bewegen aggressiv zu reagieren, um der damaligen Bush Administration einen Kriegsgrund zu liefern. Auch ABC News berichtete von der Unterstützung der Terrorgruppe Jundallah durch die USA. US Beamte verneinten zwar eine US-Beteiligung an Terroranschlägen in Iran, gaben aber zu, dass der Führer der Terrorgruppe Jundallah in engem Kontakt mit US-Beamten stand. Laut CIA-Berichten, deren Inhalt von sechs aktiven beziehungsweise ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeitern verifiziert wurde, habe der israelische Mossad Jundallah-Aktivisten angeworben. Dabei agierte der israelische Auslandsgeheimdienst unter falscher Flagge: die Mossad-Agenten gaben sich bei ihren Rekrutierungsbemühungen als Mitarbeiter der CIA aus und verwendeten US-amerikanische Pässe. Das Bekanntwerden des falschen Spiels der Israelis sorgte laut dem Bericht für große Verstimmung im Weißen Haus. „Es ist leicht zu verstehen, warum Bush so wütend war“, so ein ehemaliger Geheimdienstbeamter. „Schließlich ist es schwer mit einer ausländischen Regierung in Kontakt zu treten, wenn diese davon überzeugt ist, dass wir ihre Leute töten“. Mit Amtsantritt von Barack Obama reagierte die USA auf das dreiste Verhalten der Israelis: Innerhalb der ersten beiden Wochen seiner Amtszeit hatte Obama die von den USA und Israel gemeinsam gegen den Iran gerichteten Geheimdienstoperationen drastisch reduziert, heißt es in dem Foreign-Policy-Bericht. Zudem wurde im November 2010 die Jundallah vom US-Außenministerium auf die Liste terroristischer Organisationen gesetzt. Ob die Zusammenarbeit des Mossad mit der Jundallah bis heute anhalte, sei den im Bericht zitierten Geheimdienstlern unbekannt – schließlich kann man ja auch einen engen Verbündeten nicht öffentlich des Staatsterrorismus bezichtigen.

1979 Schauplatz Afghanistan: der russisch-afghanische Krieg

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Brzezinski und Bin Laden

In Bezug auf Afghanistan und der geheimen Unterstützung der Mujaheddin, sagte Zbigniew Brzeziński: „Diese verdeckte Operation war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten […]. Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden 10 Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte“.

Nach der Übernahme der Macht durch die kommunistische Demokratische Volkspartei Afghanistans (DVPA) unter Nur Muhammad Taraki am 27. April 1978 durch die Saurrevolution suchte er eine Annäherung an die Sowietunion, um die gesellschaftliche Umgestaltung und Modernisierung (Bildungsprogramm, Bodenreform) voranzutreiben.

Insbesondere die forcierte Säkularisierung sowie die Entmachtung und teilweise Vertreibung bislang privilegierter islamistischer Gruppen, führten aber schnell zu einem breiten Widerstand, der von der CIA unterstützt und finanziert wurde. Es gründeten sich in dieser Zeit rund 30 Mudschahedin-Gruppen. Überdies kam es auch zu politischen Richtungsstreitigkeiten und Machtkämpfen innerhalb der DVPA. Taraki bat die Sowjetunion um Hilfe. Als die Beziehungen zum Westen nach dem NATO-Doppelbeschluss vom 12. Dezember 1979 einen neuen Tiefpunkt erreicht hatten, gab Leonid Iljitsch Breschnew den Einsatzbefehl zur Invasion. Mit der Ermordung Tarakis übernahm Hafizullah Amin im September 1979 die Macht und versuchte den Widerstand niederzuschlagen. Es eskalierte zum Bürgerkrieg. Führende Mitglieder der CIA, betrachteten einen Krieg jedoch bald als Möglichkeit zum Kampf gegen den Kommunismus im Allgemeinen. Die Rolle der CIA lag sowohl in der Bereitstellung von Waffen als auch in der Unterstützung Pakistans und der dort ansässigen Taliban durch Geheimdienstinformationen wie Satellitenaufnahmen und abgehörte Funksprüche der Sowjetischen Armee. Die finanziellen Beiträge zum Krieg kamen etwa zur Hälfte von den USA und zur Hälfte von Saudi Arabien. Sie beliefen sich auf mehrere hundert Millionen Dollar pro Jahr. Die Waffen stammten aus China, Ägypten, Israel, den USA, Großbritannien und weiteren Staaten. Sie wurden von der CIA nach Pakistan geliefert, von wo die ISI sie an die Stützpunkte der Mudschahedin-Führer verteilte. Dort lernte die CIA auch Osama Bin Laden kennen und lieben, und von Afghanistan aus destabilisierten sie die südlichen Teilrepubliken der UdSSR mit Hilfe islamistischer Gruppierungen.

Als die Sowjets Afghanistan 1988 verließen, hinterließen sie eine relativ funktionsfähige Regierung unter Najibullah. Afghanistan kann sehr wohl zur Ruhe kommen, wenn das Ausland es nur will: Als die UdSSR 1991 zerbrach, versiegte die Geldquelle, welche Nadjibullahs afghanisch-sowjetische Regierung am Leben erhielt, die aber dem Land tatsächlich relative Ruhe beschert hatte und von einer Orientierung weg vom Sozialismus sowjetischer Prägung, hin zu einer mehr afghanischen Regierungsweise geprägt war. Geld und politische Ämter wurden klug an verschiedene Stämme verteilt. Bis dahin hatten die USA, laut einem Artikel in „Foreign affairs“, immer noch jährlich 500 Millionen Dollar in die Taliban investiert, obwohl der Krieg schon seit drei Jahren vorüber war. Danach ging die Unterstützung an die Taliban mittels Saudi Arabien und Pakistan weiter, was im Wesentlichen das gleiche bedeutete: Unterstützung durch die USA. 1996 schließlich, kamen die Taliban an die Macht, Najibullah wurde von den Taliban „Made in USA“ einfach tot auf einem öffentlichen Platz aufgehängt und zur Schau gestellt, Amerika wollte Najibullah los haben. Die USA waren den Taliban in den 1990igern noch positiv gesonnen. In Europa zog man es vor, über die Gräueltaten der Taliban, vor allem Frauen gegenüber, großzügig hinwegzusehen, doch ihre Akzeptanz sank bereits vor dem 11.9.2001, nachdem Verhandlungen über ein Nord-Süd Pipeline Geschäft mit UNOCAL, zu deren Managern der heutige Staatspräsident Afghanistans, Hamid Karzai und Zalmai Khalilzad gehörten, scheiterten.

4. Teil

Quellen: Stephen G. Rabe: The Most Dangerous Area in the World. John F. Kennedy Confronts Communist Revolution in Latin America. University of North Carolina Press, Chapel Hill 1999, S. 127; Jürgen Osterhammel: Vom Umgang mit dem „Anderen“. Zivilisierungsmissionen – in Europa und darüber hinaus. In: Boris Barth et al.: Das Zeitalter des Kolonialismus. Stuttgart 2007; Jürgen Osterhammel 1995;  Zbigniew Brzeziński, Die Einzige Weltmacht, Amerikas Strategie der Vorherrschaft 2003; Franz Ansprenger: Auflösung der Kolonialreiche München, 4. Aufl. 1981; Dr. Daniel Ganser Verdeckte Kriegsführung – Ein Blick hinter die Kulissen der Machtpolitik; Kermit Roosevelt Countercoup: The Struggle for the Control of Iran; JAMES BAMFORD: NSA. Die Anatomie des mächtigsten Geheimdienstes der Welt. 2001; wikipedia.de; Ganser, Daniele: Die Kubakrise – UNO ohne Chance. Kai Homilius Verlag, 2007; Andrew A. Wiest: The Vietnam War, 1956–1975. Osprey, 2002; Marie-Monique Robin: Mit Gift und Genen: Wie der Biotech-Konzern Monsanto unsere Welt verändert. 2010; Gunther Latsch: Die dunkle Seite des Westens. In: Der Spiegel. Nr. 15, 2005; Daniele Ganser: Nato-Geheimarmeen und ihr Terror. Der Bund, Bern, 20. Dezember 2004; Ed Vulliamy: Secret agents, freemasons, fascists… and a top-level campaign of political ‘destabilisation’; The Guardian 12/ 5. Dezember 1990; F. William Engdahl, A Century Of War – Anglo-Amerikan Oil Politics And The New World Order; Mohammad Reza Pahlavi, The Shah of Iran, Answer to History USA 1980 Stein and Day New York; Pârse und Pârse, Die systematische Vernichtung der iranischen Nation 2012; Pârse und Pârse Bernard Lewis und „The Middle East“ (1) – (3) 2012; Mir Ali Asghar Montazam The Life and the Times of Ayatollah Khomeini;

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8 Gedanken zu „US-amerikanische Geopolitik im Visier (3)

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    • Dazwischen kommt erst noch Teil 2 und Teil 3 „Der systematischen Vernichtung der jugoslawischen Nation“, dann gehts mit Geopolitik weiter und bitte lass unsere Muschis in Ruh 🙂 wenn Du die beiden Teile liest 🙂

      • Ach Ardasir, ich bin Balkanese, wir leben mit unseren Gefühlen, wir sind gefühlsgesteuert deswegen werde ich höchstwahrscheinlich in Momenten hoher Verärgerung immer „laut“ sein (ebenso in Momenten höchster Erregung und Liebe und Freude) Man sagt uns nach wir sind genau deswegen gute Liebhaber 😉

        Aber du brauchst dir keine Sorgen mehr machen denn in Anwesenheit von Frauen bin ich viel mehr Gentleman, und ich sehe mit Mira habt ihr ein überaus hübsches Mädel im Team und ich werde mich zusammenreißen, egal wie Teil 2 und Teil 3 “Der systematischen Vernichtung der jugoslawischen Nation” in meinen Ohren klingen. Und du schreibst das ja nicht um mir oder irgendjemanden auf den Schlipps zu treten (außer der NATO natürlich), du machst das weil du aufklären willst und das kann ich nur loben.

        Und außerdem haben wir glaube ich einen gemeinsamen Nenner gefunden, wir sind uns nicht zu 100 % einig, aber ein Gleichklang ist auch nicht Sinn und Zweck des Lebens und schon gar nicht Sinn und Zweck eines kritischen Bloggs.

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